Flusslandschaft
Pierre-Auguste Renoir
1890
Die Flusslandschaft ist nicht genau lokalisierbar, zeigt aber vermutlich die Seine oder einen ihrer Nebenarme. Mit kurzen, vibrierenden Pinselstrichen hat Renoir direkt vor dem Motiv gearbeitet. Er verwendet nur wenige Farben, hauptsächlich Blau und Grün, die ineinanderfließen oder sich lasierend überdecken, wodurch der Eindruck eines duftig leichten Farbgewebes entsteht. Entsprechend den Intentionen des Impressionismus hat Renoir auf scharfe Umrisslinien verzichtet: Die Gegenstände sollen vom Auge als von der Lichtsituation und der Umgebung beeinflusste Farbkörper wahrgenommen werden, die sich erst aus einer gewissen Distanz zur Lesbarkeit verdichten. Eindrucksvoll ist es Renoir so gelungen, die atmosphärische Stimmung und das farbige Zusammenspiel von Wasser, Licht und Vegetation einzufangen.
Rahmenaußenmaß 47,9 × 58,8 × 5,1 cm
Nach seinen Anfängen als Porzellan- und Dekorationsmaler lernte Renoir im Atelier von #Gleyre in Paris #Frédéric Bazille, #Alfred Sisley und #Claude Monet kennen. Gemeinsam wurden sie zu Wegbereitern einer neuen Bewegung. Die spontane Wiedergabe des unmittelbaren Natureindrucks, die skizzenhafte Schnelligkeit der Pinselführung, die ungewöhnlich helle Farbpalette, farbige Schatten und der Verzicht auf tiefenräumliche Perspektive irritierten die Zeitgenossen und veranlassten die Kritiker 1874, die Gruppe anlässlich ihrer ersten Ausstellung im Atelier des Fotografen Nadar abschätzig als "Impressionisten" zu bezeichnen.
Die 1890 datierte "Flusslandschaft" ist nicht genau lokalisierbar, zeigt aber vermutlich die Seine oder einen ihrer Nebenarme in der Umgebung von Paris, vielleicht auch bei Mézy, wo Renoir im September dieses Jahres #Berthe Morisot und #Édouard Manet besucht hat. Das Aquarell wurde ohne Vorzeichnung mit kurzen, furiosen Pinselstrichen direkt vor dem Motiv virtuos zu Papier gebracht: Renoir hat nur wenige Farben verwendet, hauptsächlich Blau und Grün, die ineinanderfließen oder sich lasierend überdecken, wodurch wieder neue Farbharmonien entstehen. Die auffallende Brillanz und Leuchtkraft der Darstellung resultieren aus dem bravourös eingesetzten Wechselspiel transparenter Aquarellfarben und dem unterschiedlich durchscheinenden Papiergrund. Renoir verzichtet zudem entsprechend den Intentionen des Impressionismus auf Umrisslinien und scharfe Abgrenzungen - der einzelne Gegenstand soll vom menschlichen Auge nicht anhand seiner Konturlinien, sondern als ein von der jeweiligen Lichtsituation und seiner Umgebung beeinflusster Farbkörper wahrgenommen werden -, was den Eindruck eines duftig leichten Farbgewebes noch verstärkt. Lavierte Flächen gemeinsam mit einem Stakkato vibrierender Pinselstriche verleihen der Ansicht daher weniger plastische als vielmehr flächige Wirkung, wobei sich erst aus einer gewissen Distanz die einzelnen Gegenstände zur Lesbarkeit verdichten. Umso eindringlicher ist dafür die atmosphärische Stimmung durch flirrende Lichtreflexe auf die von der Sonne beschienene, üppige Vegetation sowie die optische Auflösung in Wasser und Luft zum Ausdruck gebracht.
Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 186.
