Paul Cézanne, Brief an eine Dame, Inv. Nr.: 24080v
Brief an eine Dame
Paul Cézanne, Brief an eine Dame, Inv. Nr.: 24080v
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Brief an eine Dame

Paul Cézanne

1885




Künstler:in (Aix-en-Provence 1839 - 1906 Aix-en-Provence)
Date1885
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder, Tinte
Dimensions23,5 x 17,5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number24080v
Text

Auf der Rückseite der Zeichnung eines Waldstückes (Inv. 24080r) befindet sich ein von Cézanne geschriebener Entwurf eines Liebesbriefes, der am Ende der Seite abbricht, ohne den Schluss und vor allem den Namen der Adressatin bekannt zu geben. Rewald (1938) vermutet, dass diese Frau 1885, vermutlich in Aix-en-Provence, in Cézannes Leben getreten ist und starke Gefühle in ihm ausgelöst haben dürfte, wie diese Zeilen nahe legen: "Ich habe Sie gesehen und Sie erlaubten mir, Sie zu küssen; von diesem Augenblick an hat mich eine heftige und nicht enden wollende Erregung befallen. Sie werden die Freiheit, Ihnen zu schreiben, entschuldigen, die sich ein von Unrast gepeinigter Freund Ihnen gegenüber herausnimmt. Ich weiß nicht wie ich Ihnen diese Freiheit erklären soll, die Ihnen vielleicht recht groß erscheint; aber konnte ich in dieser Niedergeschlagenheit verharren, die mich bedrückt? Ist es nicht noch besser, ein Gefühl zu offenbaren, als es zu verheimlichen? Warum verschweigen, so sagte ich mir, was Dich quält? Bedeutet es nicht eine Linderung des Schmerzes, wenn man ihm gewährt, sich zu äußern? Und wenn der körperliche Schmerz in den Schreien des Gequälten Besänftigung zu finden scheint, ist es dann nicht natürlich, Madame, dass die seelischen Schmerzen Linderung in dem an ein angebetetes Wesen gerichtetes Geständnis suchen? Ich weiß wohl, dass dieses Briefes verwegene und übereilte Sendung Ihnen zudringlich erscheinen kann, und als einzige Fürbitterin bei Ihnen nur die Güte..."
Cézanne hat seinen Freund #Émile Zola brieflich am 14. Mai 1885 gebeten, einige Briefe für ihn entgegenzunehmen, da in Jas de Bouffan sein Vater die gesamte Post zu öffnen pflegte. Den darauffolgenden Monat besucht Cézanne mit seiner Familie #Renoir in La Roche-Guyon. Er schreibt Zola, ihm etwaige Briefe aus Aix postlagernd nachzusenden. Er reist schließlich nach Vernon weiter und kehrt im August 1885 in seine Heimatstadt zurück, wo die Krise überwunden scheint. Am 25. August 1885 berichtet er Zola: "Ich beginne zu malen, weil ich sozusagen ohne Sorgen bin" (Cézanne, Correspondance, CXI, S. 207).

 

zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 68, Nr. 26.

Catalogue raisonné
  • Ekelhart 2007, 26
  • Bibliography
  • Rewald, Correspondance, S. 199 f., Abb. 28
  • Novotny 1937, bei Nr. 120
  • John Rewald, Eine unbekannte Episode aus dem Leben Paul Cézannes, in: Neue Zürcher Zeitung, 6.2.1938, Erste Sonntagsausgabe, Nr. 218
  • Provenance
  • Simon Meller
  • 1924 erworben

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    Last edited25.05.2022