Paar im Freien
Paul Cézanne
um 1872
Die mit kräftigen unruhigen Strichen ausgeführte Studie zeigt ein Paar in einer Garten- oder Parklandschaft. Beide sind elegant angezogen und in Rückenansicht dargestellt: die Frau stehend, der Mann mit Zylinder, sitzend, im verlorenen Profil, dessen Züge Cézanne gleichen.
Mit dem Thema betont modisch nach dem letzten Pariser Schrei gekleideter Personen im Freien hat sich Cézanne in seinem Frühwerk häufig beschäftigt, um 1866 in "La Promenade" (Venturi 1936, Nr. 116) oder in dem gleichnamigen Gemälde um 1871 (Venturi 1936, Nr. 119), die er beide nach Illustrationen aus Modemagazinen kopiert und paraphrasiert hat (Siehe dazu AK Paris 1988/89, Nr. 26 und 55).
Die Zeichnung weist sowohl in der expressiven, nervös-fahrigen grafischen Gestaltung mit derben, unregelmäßig kreuz und quer verlaufenden Linienbündeln und Schraffuren als auch im Motiv des weltmännisch, mit übereinandergeschlagenen Beinen lässig sitzenden Mannes in dandyhafter Aufmachung starke Ähnlichkeiten zu der zwischen 1869-1871 datierten Albertina-Skizze "Der Tanz" (Inv. 24079) auf.
In der markanten Figur des Bonvivants mit Gehrock und Zylinder hat sich Cézanne besonders häufig in seinen frühen Gemälden der späten 1860er- und 70er-Jahre - wie z.B. in den beiden Fassungen der "Modernen Olympia" (Venturi 1936, Nr. 106, 225), im "Frühstück im Grünen" (Venturi 1936, Nr. 107) oder "Sonntagnachmittag" (Venturi 1936, Nr. 243), aber offensichtlich auch in der vorliegenden Zeichnung der Albertina, - zumeist als Betrachter des Geschehens selbst dargestellt.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 62, Nr. 23.
