Drei Gewandstudien (Details aus dem "Heller-Altar")
Albrecht Dürer
1508
Das Hauptwerk der Heller-Gruppe, Die betenden Hände (Inv. 3113), findet sich im Altarbild bei einem kniend adorierenden Apostel rechts der leeren Grabtumba wieder. Zu dieser Figur gehören auch die auf ein großes Querformat platzierten Arm- und Draperiestudien (Inv. 3115). Zur Orientierung: Das zentrale Gewandstück, das sich sanft fließend auf einer Vertikalen entwickelt, entspricht dem lose über die Schulter gelegten Mantel; die Arme, die schließlich zu den betenden Händen gehören, setzen allerdings nicht am Ärmel an, sondern dort, wo im Gemälde etwa der Oberschenkel der Figur verläuft; die Draperie rechts liegt in der gemalten Fassung über den Knien. Das Blatt mit dem mit weit aufgerissenen Augen nach oben blickenden bärtigen Haupt (Inv. 3112) bereitet den Kopf desselben Apostels vor. Die Zeichnung teilte sich ursprünglich mit den betenden Händen einen querformatigen Bogen, was für Letztere das Fehlen von Datierung und Monogramm erklärt.
Dürer verleiht allen seinen Tafelbilder vorbereitenden Gewandstudien - selbst unter Berücksichtigung, dass diese Studienblätter einmal in einem größeren Verband vereint und später auseinander geschnitten wurden - mehr Raum und eine gewisse Individualität, die sich mit seinen Kopf- und Handstudien vergleichen lässt. Auch die drei unorganisch miteinander verbundenen Studien fassen das Gewand einer bestimmten Figur des Altarbildes ins Auge. Sie bereiten den Mantel des am äußersten rechten Rand nach links knienden und betenden Apostels vor. Auf dem Tafelbild erfuhren die drei Studien nur wenige Veränderungen: So etwa ist der Arm des Apostels auf dem Altarbild etwas stärker gewinkelt als auf der Zeichnung, während die große Draperie in der Mitte der Studie ihrer gemalten Ausführung recht nahe steht. Die mit vorwiegend weißem Pinsel gehöhte Draperiestudie im rechten Blattanteil bereitete den das Knie des Apostels bedeckenden Mantelteil vor. Auf unserer Studie vermittelt sie den Eindruck, als wäre sie starkem Lichteinfall ausgesetzt, was aber auf dem Tafelbild keine Entsprechung findet. Ob es sich hier um eine von Dürer beabsichtigte Veränderung handelt oder ob diese durch die nicht ganz getreue Wiedergabe des Originals durch #Jobst Harrich entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Diese Zeichnung mit drei Gewandstudien zeigt jedenfalls das ursprüngliche Format von Dürers Studienblättern; eine Trennung dieser Studien war aus verständlichen Gründen nicht sinnvoll und sicherlich niemals beabsichtigt. Immerhin aber zeigt dieses Studienblatt, dass Dürer scheinbar mit fortschreitender Vorbereitung des "Heller-Altars" immer mehr auf eine kompositorische Beziehung der auf einem Blatt vereinten Studien verzichtete. Während er seinen in Italien entstandenen Studien noch ein hohes Maß an Bildhaftigkeit zubilligte, lässt er diese Auffassung auf den in Nürnberg ausgeführten Blättern zunehmend vermissen. Womit sich dieses abnehmende Interesse erklären lässt, ist schwer nachzuvollziehen. Nicht auszuschließen wäre ein rascheres und weniger überlegtes Vorgehen im Stadium der Zeichnung, bedingt durch das Drängen seines Auftraggebers #Jakob Heller, das Altarbild fertig zu stellen.
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