Albrecht Dürer, Aufwärts blickender Apostelkopf (Detail aus dem "Heller-Altar"), Inv. Nr.: 3112
Aufwärts blickender Apostelkopf (Detail aus dem "Heller-Altar")
Albrecht Dürer, Aufwärts blickender Apostelkopf (Detail aus dem "Heller-Altar"), Inv. Nr.: 3112
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Aufwärts blickender Apostelkopf (Detail aus dem "Heller-Altar")

Albrecht Dürer

1508




Das Hauptwerk der Heller-Gruppe, Die betenden Hände (Inv. 3113), findet sich im Altarbild bei einem kniend adorierenden Apostel rechts der leeren Grabtumba wieder. Zu dieser Figur gehören auch die auf ein großes Querformat platzierten Arm- und Draperiestudien (Inv. 3115). Zur Orientierung: Das zentrale Gewandstück, das sich sanft fließend auf einer Vertikalen entwickelt, entspricht dem lose über die Schulter gelegten Mantel; die Arme, die schließlich zu den betenden Händen gehören, setzen allerdings nicht am Ärmel an, sondern dort, wo im Gemälde etwa der Oberschenkel der Figur verläuft; die Draperie rechts liegt in der gemalten Fassung über den Knien. Das Blatt mit dem mit weit aufgerissenen Augen nach oben blickenden bärtigen Haupt (Inv. 3112) bereitet den Kopf desselben Apostels vor. Die Zeichnung teilte sich ursprünglich mit den betenden Händen einen querformatigen Bogen, was für Letztere das Fehlen von Datierung und Monogramm erklärt.



The main work of the Heller group, the Praying Hands (Inv. 3113), can be found in the altarpiece with one of the adoring apostles kneeling to the right of the empty tomb. Arm and drapery studies on a large landscape-format sheet (Inv. 3115) also belong to this figure. By way of orientation:  The central garment section that develops on a vertical in a gently flowing manner corresponds to the cloak placed over the shoulder; the arms that ultimately belong to the praying hands, however, do not begin at the sleeves but rather where we find the thigh in the painting; the drapery at the right lies over the knees in the painted version. The drawing showing the wide-eyed bearded head looking upward (Inv. 3112) is a study for the head of the same apostle. The drawing was originally on the same landscape-format sheet of paper as the praying hands, explaining the lack of date and monogram in the case of the latter.



Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1508
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesPinsel in Schwarz und Grau, grau laviert, mit Deckweiß gehöht, auf blau grundiertem Papier; ca. zwei Zentimeter vom rechten Bildrand entfernt durchgehend verlaufende Bruchstelle
Dimensions29,1 x 23,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number3112
Signedl.o. mit Pinsel in Grau: "1508" und Dürer-Monogramm "AD"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Watermarkkein WZ
Text

Diese beiden Blätter (Inv. 3112 und Inv. 3113) waren ursprünglich auf einem Halbbogen im Folioformat vereint gewesen (siehe auch: Inv. 3114, Inv. 4836). Demnach befand sich der "Apostelkopf" auf der linken Seite des Bogens und die "Betenden Hände" (Inv. 3113) rechts davon. Auffallend bei den "Heller-Altar"-Studien ist das ursprünglich gleichberechtigte Nebeneinander von jeweils einem Kopf und einer oder mehrerer Handstudien, die allerdings nicht mehr in dieser Weise aufeinander bezogen sind, wie wir dies für die Studien zum "Rosenkranzfest" und zum "Christus unter den Schriftgelehrten" beschrieben haben (Inv. 3104, Inv. 3103 und Inv. 3099, Inv. 3106). Vergleicht man Sorgfalt und Genauigkeit, lässt sich feststellen, dass der Hand mit ihren Sehnen und Adergeflechten genauso viel Aussagewert beigemessen wird wie einem alternden, zerklüfteten Gesicht. Wie verfälschend die Trennung eingegriffen hat, zeigt das Beispiel der "Betenden Hände" (Inv. 3113). Deren Virtuosität ließ manchmal den nach oben blickenden Apostelkopf, der sich ursprünglich links davon befand, vergessen. Er bereitet den Kopf des auf dem „Heller-Altar“ rechts knienden Apostels vor. Seine im Vergleich mit anderen heute erhaltenen Kopfstudien zum Altar (Inv. 3111, Inv. 4836) zweifellos unspektakuläre Wiedergabe lässt die Trennung von den "Betenden Händen" sogar verständlich erscheinen. Die Ablehnung ging mitunter sogar so weit, dass man die Zuschreibung dieser Studie bezweifelte und damit auch Dürers eigenhändige Ausführung der "Betenden Hände“ in Frage stellte.  

Albrecht Dürer, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. L. Sternath, Albertina, Wien 2003, Abb. 112, S. 360.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 94
  • Winkler 452
  • Strauss 1508/10
  • Bibliography
  • AK Albertina 1971, Nr. 73
  • John Rowlands und Giulia Bartrum, Drawings by German Artists and Artists from German-speaking regions of Europe in the Department of Prints and Drawings at the British Museum: the Fifteenth Century, and the Sixteenth Century by Artists born before 1530, London 1993, S. 119-120, Nr. 267 (Kopie London)
  • Budde 1996, Z/18
  • AK London 2002/03, S. 272, unter Nr. 226 (Kopie London)
  • AK Albertina 2003, Nr. 112 (H. Widauer)
  • AK Madrid 2005, S. 246–249, Nr. 61 (H. Widauer)
  • AK Washington 2013, S. 180, Nr. 60 (H. Widauer)
  • Iris Brahms, Zwischen Licht und Schatten. Zur Tradition der Farbgrundzeichnung bis Albrecht Dürer, Paderborn 2016, S. 257-258/Taf. IV.9
  • AK Albrecht Dürer, Albertina, Wien 2019, S. 458, Kat. 132
  • Ksenija Tschetschik-Hammerl, Nach Dürer. Kunst begegnet Natur bei Hans Hoffmann und Daniel Fröschel, Petersberg 2023, S. 242, Nr. 2 (zur Kopie Hans Hoffmanns)
  • Provenance
  • Willibald Imhoff (1519-1580), Nürnberg (Kunstbuch, Verzeichnis 1588, Zeichnung 17a: "Christus samt zweyen Händen in grau.")
  • 1588 an Kaiser Rudolf II.
  • Kaiserliche Schatzkammer
  • seit 1783 Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1796 an Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    zur Darstellung

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    Last edited24.01.2025