Andrea Meldolla, gen. Schiavone, Die Flucht nach Ägypten, Inv. Nr.: DG2018/1/40
Die Flucht nach Ägypten
Andrea Meldolla, gen. Schiavone, Die Flucht nach Ägypten, Inv. Nr.: DG2018/1/40
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Flucht nach Ägypten

Andrea Meldolla, gen. Schiavone

1540-1544




Künstler:in (Zara (Sebenico) um 1500/15 - 1563 Venedig)
Date1540-1544
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesRadierung, Kaltnadel
DimensionsBlatt: 11,3 x 8,1 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2018/1/40
Im Kontext der Sammlung
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Dieses Blatt befindet sich auf Seite It/III/1/26 des Klebebandes Italien nach Sektionen III/1. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich die vorliegende Seite befindet, umfasst Arbeiten aus dem Raum Italien. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 3. Diese Sektion vereint vorwiegend Druckgrafiken, die in der Technik der Radierung ausgeführt wurden. Es ist der 1. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Text

Schiavone greift mit der Radierung Die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten ein Thema auf, das sich in dieser Zeit im Veneto einiger Beliebtheit erfreute. Genannt seien etwa ein Niccolò Boldrini zugeschriebener Holzschnitt (Muraro und Rosand 1976, Nr. 76; https://permalink.obvsg.at/alb/AC04505776§) oder die beiden Gemälde von Jacopo Bassano in Vicenza (Museo Civico) und in Pasadena mit dieser Darstellung (Norton Simon Museum; Ballarin 1996, Tavole, Parte prima, Tomo terzo, Tav. 1, 149; https://www.nortonsimon.org/art/detail/M.1969.35.P§). Die Vorlage für die Radierung dürfte allerdings auf Parmigianino zurückgehen, entspricht doch das Liniensystem ganz dem der Federzeichnungen des Parmaer Künstlers. Charakteristisch sind die langen, feinen Linien, die in regelmäßigem Abstand zueinander gesetzt sind und den Körpern durch leichte Biegung Plastizität geben. Dasselbe gilt für die weich kurvenden Umrisse und die Lichthöhungen, die die Gliedmaßen runden und nie in Kontrast zu den Schraffuren treten. Parmigianinesk ist auch der dynamische Fluss der Faltenbahnen beim Umhang der Muttergottes oder die Art, wie bei den Figuren die Zwischenräume durch Schraffuren bzw. Kreuzlagen ausgefüllt werden. Alle diese Merkmale finden sich auch auf einer Zeichnung Parmigianinos in Ottawa (National Gallery of Canada), die einen jungen Mann zeigt, der einen Esel an der Leine führt (https://www.gallery.ca/collection/artwork/a-youth-leading-a-donkey-in-a-landscape§; Gnann 2007, Nr. 546). Vielleicht ist es ein Engel, der wie auf der Radierung die Heilige Familie auf der Flucht begleitet. Auf der Radierung ist hinter dem Esel der Kopf des Ochsen zu sehen, ein Motiv, das ebenso wie der Ansatz der Brücke in der rechten unteren Ecke von Dürers Holzschnitt der Flucht nach Ägypten aus dem Marienleben (Bartsch VII.132.89; https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bartsch1808bd7/0136/image,info§) übernommen ist. Parmigianino hat sich nachweislich mit diesem Holzschnitt auseinandergesetzt, zumal er die Gestalt des Josef in einer Federzeichnung kopiert hat, die in der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris aufbewahrt wird (Popham 1971, Nr. 520 verso, Pl. 278; https://permalink.obvsg.at/alb/AC09004001§).

Die beiden Blätter der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten und der Rast auf ihrer Reise dorthin (Inv. DG2014/143) hängen nicht nur thematisch zusammen, sie haben auch dasselbe Format und weisen in der Radiertechnik denselben Stil auf. Hinzu kommt, dass bei beiden auf einen landschaftlichen Hintergrund verzichtet wurde, die Pose des Christuskindes nahezu identisch ist und selbst die vertikalen Schraffuren zwischen dem Kopf Christi und dem Gesicht der Mutter hier wie dort wiederkehren. Schiavone hat die beiden Radierungen daher höchstwahrscheinlich zur gleichen Zeit geschaffen.

vgl. Achim Gnann und Milan Pelc (Hg.), Andrea Meldolla Schiavone. Printmaking Genius of Mannerism (Kat. Ausst. Museum of Fine Arts, Osijek 2023) Kat. 23, https://permalink.obvsg.at/alb/AC16965842§).

Catalogue raisonné
  • Bartsch XVI.44.9
  • Bibliography
  • Achim Gnann und Milan Pelc (Hg.), Andrea Meldolla Schiavone. Printmaking Genius of Mannerism (Kat. Ausst. Museum of Fine Arts, Osijek 2023) Kat. 23.

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/446921/die-flucht-nach-agyptenImage Request
    Last edited18.03.2024

    Francesco Mazzola detto il Parmigianino. Andrea Meldolla., Flucht nach Ägypten; Heilige Familie…
    Andrea Meldolla, gen. Schiavone
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