Büste des Voltaire
Egon Schiele
1906
Im Oktober 1906 bestand Schiele die Aufnahmeprüfung an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Der dortige Lehrbetrieb begann im ersten Studienjahr mit dem »Zeichnen nach der Antike«. Schiele erfüllte seinen Lehrplan mit mehr als einem Dutzend Studien nach Vorlagen aus der Akademiesammlung, darunter auch die Kohlezeichnung nach dem Gipsabguss der berühmten Voltaire-Büste des Jean-Antoine Houdon aus dem Jahr 1778. Mittels der scharfen Ausleuchtung der Büste erzielte Schiele dramatische Effekte. Im Folgejahr, das dem »Zeichnen und Malen nach der menschlichen Gestalt« gewidmet gewesen sein wird, fand Schiele allmählich zu einer gezügelteren Ausdrucksweise.
Akademiezeichnung nach einem Gipsabguß der Büste Voltaires von Jean-Antoine Houdons berühmter Statue in der Comédie française, Paris (W. Sauerländer, Jean-Antoine Houdon, Voltaire, Werkmonographien zur bildenen Kunst in Reclams Universl-Bibliothek Nr. 89, Stuttgart 1963, Abb. 1). Der Gipsabguß der Akademie ist derzeit nicht auffindbar.
Quelle: Erwin Mitsch, Egon Schiele in der Albertina. Die Zeichnungen und Aquarelle aus eigenem Besitz, Ausst. Kat. Albertina, Wien 1990, Kat. 8.
[Anm.: Vergleiche Houdons Sitzfigur von Voltaire in der Comédie-Française in Paris: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2b/Voltaire_sur_chemin%C3%A9e_d%27un_salon_de_la_Com%C3%A9die_Fran%C3%A7aise_-_panoramio.jpg§, Urheber: corinne potet, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons]
