Heiliger Georg nach Donatello
Paul Cézanne
um 1890
Die aquarellierte Studie ist ein weiteres Beispiel für Cézannes Auseinandersetzung mit Kunstwerken der Vergangenheit (siehe Inv. 24084). Sie basiert wie viele dieser Zeichnungen auf einer Skulptur als Vorlage, deren Umsetzung in das zweidimensionale Medium ihn besonders fasziniert haben dürfte. Das Sujet ist eine Kopie nach #Donatellos Marmorstatue des Heiliger Georg von 1416, einer ehemaligen Nischenfigur des Or San Michele in Florenz. Cézanne, der diese Stadt nie besucht hat, kopierte die Statue nach einem Gipsabguss des Musée du Sculpture comparée im Palais du Trocadéro. Das Blatt unterscheidet sich von Cézannes übrigen Arbeiten nach Skulpturen von der Antike bis zum Barock vor allem durch die zusätzlich zum Bleistift verwendete Aquarellfarbe. Mit zarten Lavierungen werden die Bleistiftkonturen akzentuiert, wodurch sowohl plastisch wie räumlich Werte erzielt werden: "Von den Umrissen weg klingt die Farbe entweder gegen das Innere der Formen aus und schafft so eine Art von Modellierung [...] oder sie verfließt vom Objekt weg gegen den Hintergrund [...]. Auf diese Weise wird das Objekt von seiner Umgebung in einer ein wenig schematischen Art räumlich und plastisch abgehoben." (Novotny 1950, S. 82).
Die Zeichnung wird in der Literatur allgemein in die Jahre um 1890 eingeordnet. Ein Vergleich mit "Amor und Kentaur" der Albertina von 1879-1882 (Inv. 24084) zeigt gegenüber den segmentartig gekrümmten und aus kleinen Teilstücken bestehenden Umrisslinien eine zunehmende Verfestigung und formale Geschlossenheit durch klarer und einheitlicher geführte Konturen.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 84, Nr. 34.
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