Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Selbstbildnis, Inv. Nr.: 2623
Selbstbildnis
Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Selbstbildnis, Inv. Nr.: 2623
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Selbstbildnis

Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino

um 1526-1527




Künstler:in (Parma 1503 - 1540 Casalmaggiore)
Dateum 1526-1527
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, Rahmen von anderer Hand in Rötel
Dimensions26,5 x 18 cm
Darstellung: 10,3 x 11,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number2623
InscribedAufschrift auf dem Rahmen oben: "Multaque cum Forma, / Gratia mista fuit. - / Ovidius"; unten: "Ritratto di / Francesco Mazzuoli, / Parmigiano. / fatto di suo Mano. - / Vide Vasari, Vite de Pittori &c: / primo Volume della 3a Parte / pag.a 230. - / Edizione de´Giunti, / Fiorenza, 1568. -"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die berühmte Zeichnung diente als Vorlage für den seitenverkehrten Holzschnitt mit dem Selbstporträt des Künstlers in der Ausgabe der Viten #Vasaris von 1568. Die aufwendige dekorative Umrahmung stammt laut K. Oberhuber (in: Koschatzky/Oberhuber/Knab 1971, Nr. 53) allerdings nicht von Vasari selbst, der möglicherweise das Blatt besaß, sondern von einem Künstler seines Kreises. #Hendrick van der Borcht hat die Zeichnung 1642 radiert, als sie sich in der Sammlung des #Grafen von Arundel befand (AK Albertina 1963, Nr. 3). Das laut A. E. Popham (1971 Nr. 600, Taf. 430) mit Hilfe zweier Spiegeln angefertigte Profilporträt mit seiner gerundeten Stirnpartie, den unter scharf gezogenen Brauen wach blickenden Augen und der markant geschwungenen schmalen Nase bringt wundervoll den sensiblen, durchgeistigten, introvertierten und vermutlich leicht erregbaren Charakter des Künstler zum Ausdruck. Sein gepflegtes Aussehen unterscheidet sich von einem anderen Selbstbildnis in Chatsworth, das gegen Mitte der dreißiger Jahre entstanden sein muss, da auf der Rückseite eine Studie von 1534/35 zur "Madonna dal collo lungo" erscheint (Popham 1971, Nr. 719, Taf. 343, Taf. 357). Der Künstler hat sich dort in Vorderansicht porträtiert und wirkt durch die breiteren Gesichtszüge, die zotteligen Haare und den langen Bart stärker vom Leben gezeichnet und älter. Zudem unterscheiden sich die lebendig fließenden Linien, die sich untereinander verflechten und das Gesicht mit einem zarten Sfumato umhüllen von den nadelartig feinen, häufig absetzenden und sehr kontrollierten Federstrichen des Albertina-Blattes. Dort treten auch die kleinsten Details mit Schärfe hervor, und die Position des Kopfes ist höchst präzise festgelegt. Man fühlt sich an die Technik eines Stichs erinnert, und vielleicht war das Blatt für eine Radierung oder eine Illustration bestimmt. In der Regelmäßigkeit der Ausführung lassen sich Bezüge zu den Kopfstudien auf der berühmten "Zeichnung mit der toten Maus" in Parma (Galleria Nazionale) vom Ende der römischen Periode oder zu einem Blatt mit "Venus und Amor" in Budapest aus der Bologneser Zeit feststellen (Popham 1971, Nr. 24, Taf. 278). Es wäre somit denkbar, dass das Selbstbildnis in der Albertina einige Jahre vor dem in Chatsworth von 1535 entstanden ist.
Eine große, in verschiedenen Kreiden ausgeführte Porträtzeichnung, die mit dem Albertina-Blatt nahezu übereinstimmt, befand sich in der Sammlung des #Dominique-Vivant Denon, wo sie #Valentin für die "Monuments Denon" gegenseitig lithographiert hat (Denon, Bd. 3, 1829,Taf. 156).

Michelangelo und seine Zeit, Meisterwerke der Albertina, Wien/Bilbao 2004/05, Abb. 56, S. 150.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1891, SL 54
  • Birke/Kertész III
  • Gnann 2007, 600
  • Bibliography
  • Anonymer Holzschnitt (seitenverkehrt) in: G. Vasari, Vite de'Pittori .., I, Teil III, Florenz 1568, p. 230
  • rad. von H. van der Borcht, 1642
  • Braun 314 - A.K. Wien 1963, p. 1, Kommentare zu Nr. 2, 3, Nr. 7
  • A. Ghidiglia Quintavalle, Autoritratti del Parmigianino, in: Paragone 235, 1969, p. 58, Taf. 41b
  • Popham 1971, Nr. 600, Taf. 430 (als wahrscheinlich Selbstporträt)
  • Koschatzky/Oberhuber/Knab 1971, Nr. 53
  • Ragghianti Collobi 1974, p. 122, Fig. 379
  • A.K. Paris 1975, Nr. 45
  • I. Grigorjewa/A. Kantor-Gukowskaja, I grandi disegni italiani della Collezione dell'Eremitage di Leningrado, Mailand 1984, Kommentar zu Nr. 13
  • M. di Giampaolo, Parmigianino. Catalogo completo dei dipinti, Florenz 1991, Kommentar zu Nr. 15. zu Valerio Belli und das Porträtmedaillon nach Raffaello Santi vgl. Gere/Turner 1983, Nr. 142
  • C. Scailliérez, Une ébauche de Parmesan (1503-1540) pour le Louvre. Un don de la Société des Amis du Louvre, in: La Revue du Louvre 5/6, 1994, p. 36, Fig. 12b
  • Freedberg 1996, S. 84
  • AK Parma/Wien 2003, Nr. II.1.5 (A. Gnann)
  • AK Albertina/Venedig/Bilbao 2004/05, Nr. 56 (A. Gnann)
  • AK Parmigianino. Die Madonna in der Alten Pinakothek, München (Alte Pinakothek) 2007, Kat.Nr. 9, S. 20
  • Achim Gnann, Parmigianino. Die Zeichnungen, 2 Bde., Petersberg 2007, Kat. 600
  • Historical Attributions
  • traditionelle Zuschreibung, Freedberg, Oberhuber
  • Parmigianino, Francesco nach (Wickhoff)
  • Parmigianino, Francesco (?) (Popham)
  • Schule von Parma, Ende des 16. Jahrhunderts (Umrandung) (Oberhuber)
  • Bedoli, Girolamo (Umrandung) (Oberhuber, Ragghianti Collobi).
  • Provenance
  • Giorgio Vasari (?)
  • Thomas Howard,Earl of Arundel
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/25923/selbstbildnisImage Request
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