Egon Schiele, Blondes Aktmodell auf einem braunen Tuch sitzend, Inv. Nr.: 31177
Blondes Aktmodell auf einem braunen Tuch sitzend
Egon Schiele, Blondes Aktmodell auf einem braunen Tuch sitzend, Inv. Nr.: 31177
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Blondes Aktmodell auf einem braunen Tuch sitzend

Egon Schiele

1912




Bei der Dargestellten in Inv. 31576 und Inv. 31177 handelt es sich um Wally Neuzil, die für Schiele das wichtigste Modell und bis zu seiner Heirat im Jahr 1915 mit Edith Harms seine treue Lebensgefährtin war. Schiele vereinigt in den beiden Werken gekonnt die Technik der Gouache mit dem fließend-transzendenten Aquarell und erlangt dadurch völlig neue malerische Effekte.

In Inv. 31576 zeichnet Schiele kunstvoll mit der Struktur des Pinsels die langen, herabfallenden Haare Wallys nach, aus denen der rote Mund und die blauen Augen leuchtend hervortreten. Bei der Darstellung Wallys auf dem Tuch sind die Haare hochgesteckt. Das Tuch definiert den in die Tiefe fluchtenden Boden, der Oberkörper zeigt eine komplizierte Verkürzung. Die Kolorierung entlang des Umrisses verstärkt die räumliche Illusion und die dreidimensionale Körperlichkeit des Modells. Die Darstellung dokumentiert Schieles Interesse an außergewöhnlichen Blickwinkeln und Sichtachsen.



Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1912
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Aquarell, Deckfarben auf Strathmore Japanpapier, grundiert
Dimensions32,2 x 48,3 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number31177
SignedM.r. "EGON / SCHIELE / 1912"
Text

Die stilistische Entwicklung Anfang des Jahres 1912 setzt das im Jahr 1911 Erreichte fort. Schiele vereint nun souverän geradezu konträre Techniken wie die kompakte Gouache mit dem fließend-transparenten Aquarell in einem Blatt und zeitigt so völlig neue malerische Effekte.

 

Auch wenn #Wally mit ihren rotblonden Haaren in diesen ersten Monaten des Jahres 1912 als Modell nicht sicher identifizierbar ist: Dieses Modell dürfte bereits die für den Künstler so wichtige Lebensgefährtin zeigen. Die Haare sind hochgesteckt. Eine kühne Verknüpfung des Tuchs, das den in die Tiefe fluchtenden Boden räumlich definiert sowie eine dramatische und komplizierte Verkürzung des Oberkörpers und der Beine der Frau sind für Schieles Interesse an ungewöhnlichen Blickwinkeln und Sichtachsen Anfang 1912 charakteristisch. Die Kolorierung entlang dem Umriss verstärkt die räumliche Illusion und die dreidimensionale Körperlichkeit des Modells. In der Binnenfläche des Körpers aquarelliert Schiele nur mit äußerster Sparsamkeit.

 

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 200.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 1086
  • Bibliography
  • AK Albertina 1948, Nr. 153
  • AK Albertina 1959 a, Nr. 64
  • AK Albertina 1990, Nr. 84, Abb.
  • AK Japan u.a. 1997
  • AK Mailand 2000, S. 89
  • AK Albertina 2003/04 a, Nr. 105, Abb.
  • AK Amsterdam 2005, S. 77, Abb.
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 103
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 92
  • Klaus Albrecht Schröder, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 100-101 (in spanischer Sprache)
  • Provenance
  • seit mindestens 1919 Sammlung Benesch, Wien
  • 1951 erworben aus dem Nachlass Heinrich Benesch (1862-1947), Wien

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    Last edited24.11.2025