Egon Schiele, Maria Steiner, Inv. Nr.: 30579
Maria Steiner
Egon Schiele, Maria Steiner, Inv. Nr.: 30579
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Maria Steiner

Egon Schiele

1918




Die vielfach oberflächliche Routiniertheit, mit der Schiele die vielen Akt-, aber auch Porträtzeichnungen anfertigt, kennt 1918 nur wenige Ausnahmen. Neben den stilistisch weiterhin einzigartigen Selbstbildnissen sind es vor allem die gezeichneten Porträts der beiden Kinder von Hugo und Lilly Steiner (Inv. 37099, Inv. 30579 und Inv. 37100),  die aus der Masse herausragen. Die ältere der beiden Töchter, Eva (Inv. 37100), heiratet später Otto Benesch, Sohn von Heinrich Benesch und nachmaliger Direktor der Albertina, der sich zeitlebens für das Werk Schieles, dem er auch noch Modell gestanden war, einsetzt.



Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Dargestellt (Wien um 1906 - 1952 Wien)
Date1918
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide auf Papier
Dimensions50 x 31,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number30579
Signedr.u. "EGON / SCHIELE / 1918"
Text

Stilistisch bringt das letzte Schaffensjahr Schieles kaum Veränderungen gegenüber dem vorhergehenden. Sein Streben nach plastischer Modellierung als Basis seines seit 1915 verfolgten stärkeren Naturalismus schlägt sich begreiflicherweise besonders in den Porträts nieder. Mit dem Erfolg, der nach der Secessionsausstellung Anfang 1918 mit der weiteren Beauftragung von Porträts allgemeine Anerkennung gefunden hat, ging auch ein für Schiele ungewöhnlicher Vermögenszuwachs einher. Schieles Notizbücher vermerken im letzten Schaffensjahr allein den Besuch von 177 bezahlten Modellen. Die Beliebtheit seiner meist nicht kolorierten Aktzeichnungen lag in der Verbindung von virtuoser Sicherheit in der räumlichen Anlage der Modelle, einem überzeugenden Naturalismus in der Wiedergabe der Anatomie sowie in der eleganten Linienführung. Die vielfach oberflächliche Routiniertheit, mit der Schiele die vielen Akt-, aber auch Porträtzeichnungen anfertigt, kennt 1918 nur wenige Ausnahmen. Neben den stilistisch weiterhin einzigartigen Selbstbildnissen, sind es vor allem die gezeichneten Porträts der beiden Kinder von #Hugo und #Lilly Steiner, die aus der Masse herausragen. Die ältere der beiden Töchter, #Eva, heiratet später #Otto Benesch: Sohn von #Heinrich Benesch (Inv. 31154) und nachmaliger Direktor der Albertina, der sich zeitlebens für das Werk Schieles, dem er auch noch Modell gestanden ist, eingesetzt hat.

 

Gegenüber 1917 hat die Belebung der Binnenformen zugenommen. Mit lebendig und abwechslungsreich geführten parallelen Linien, die vom Gewandmuster gänzlich unabhängig sind, schafft Schiele graphische Konzentrationspunkte, die zugleich der Verräumlichung der Porträtierten dienen. Ein besonderes Augenmerk legt Schiele auf den individuellen charakteristischen Gesichtsausdruck. Bei der jüngeren Steiner-Tochter, Maria, wechselt Ernst mit heiterer Gelassenheit. Das Porträt der am Boden sitzenden #Maria Steiner ist kompositorisch einem hohen gleichseitigen Dreieck angeschrieben. Dabei bringt Schiele die steil aufragende Form durch die horizontalen Wellenlinien in ein harmonisches Gleichgewicht.

 

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 372.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 2178
  • Bibliography
  • AK Albertina 1948, Nr. 238
  • AK Albertina 1949/50, Nr. 105
  • AK Düsseldorf 1959, Nr. 173
  • Mitsch 1961, S. 72 (1969, Abb. 70)
  • AK Darmstadt 1967, Nr. 95
  • Koschatzky 1968, Nr. 60
  • AK Albertina 1968, Nr. 272, Abb.
  • AK Albertina 1990, Nr. 161, Abb.
  • AK Zug 2001/02, ohne Nr.
  • AK Amsterdam 2005, S. 148, Abb.
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 213
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 39
  • Klaus Albrecht Schröder, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 194-195 (in spanischer Sprache)
  • Provenance
  • 1948 erworben bei der Neuen Galerie, Wien

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/3149/maria-steinerImage Request
    Last edited18.12.2024