Mantua (?), Projekt für ein Portal mit einer Loggia
Giulio Romano
um 1540 - 1546?
Architekt:in
Giulio Romano
(Rom 1499 - 1546 Mantua)
Dateum 1540 - 1546?
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, braun und grau laviert
Dimensions40,0 cm x 27,3 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberAZItalienunb.1284
Signedin der Kartusche der Albert-Montierung "Julio Romano"
MarkingsAlbert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
TextSeit der Ernennung im Sommer 1526 zum Hofvikar und Präfekt der Gonzagabauten war Giulio für alle höfischen Bauprojekte verantwortlich. Er trat auch mit großen Arbeiten auf städtischer Ebene hervor, zu denen Portale und Stadttore wie der Portale della Dogana (um 1538), die Porta della Citadella (1545 vollendet) und die Porta del Te (1530-1536) gehören. Für welchen Ort dieser Entwurf der Albertina, den Hartt Giulios Spätwerk zugeordnet hat (ca. 1540-46), bestimmt war, ist noch ungeklärt. Das Portal der rustizierten unteren Zone wird von dorischen Halbsäulenpaaren flankiert. Darüber erhebt sich eine ionische Loggia in Form eines syrischen Bogens, der von einem Dreiecksgiebel überfangen wird. Die Gesamthöhe des Portals, deren Geschosse im Verhältnis 1:1 stehen, beträgt laut der Berechnung von M. Tafuri ca. 11 Meter. Der sorgfältigen Ausführung mit Feder und Lavierung liegt eine Vorzeichnung mit schwarzer Kreide zu Grunde. In der oberen Zone sind der Fluchtpunkt und die radial ausströmenden Linien zu erkennen, mit denen Giulio die Nischenverkürzung und den Abstand der Kassetten bestimmt, und am Eingangsportal legt er durch eine entsprechende Skizze die Lage der Keilsteine fest. Giulio, dem Raphael schon im Knabenalter Kenntnisse der Perspektive und der Bautechnik beigebracht hatte, verfügte über eine souveräne Kenntnis der antiken Formensprache. So ist etwa das Motiv des syrischen Bogens, das Giulio bereits in der „Nymphaeumsarchitektur“ in einem der Fenstergewände des Konstantinssaales gemalt hatte (Hartt, 1958, Bd. 2, fig. 75), und das ausschließlich im seinem Schaffen vorkommt, vermutlich von der Vestibülfassade des Diokletianspalastes in Split herzuleiten. Bereits an der Decke des Salone in der Villa Lante kommte das Motiv der Büste im Muscheltondo vor, und die Rustika ist für Giulio seit seiner römischen Zeit ein obligatorisches Gliederungselement. Die mit Rustikablöcken bandagierten Säulen treffen wir etwa im Piano Nobile von Giulios römischem Wohnhaus oder in den Projekten für die Porta del Te. Kennzeichnend für seine architektonische Formensprache ist dabei ein Spielen mit Gegensätzen und effektvoll überraschenden, bisweilen ironischen Elementen. Beinahe gewaltsam ist der Kontrast zwischen dem abwehrenden Charakter der unteren Zone mit ihren naturhaft-rohen, massigen Formen und der grazilen, luftig-offenen, zum Kommunizieren bestimmten Loggia mit ihrem fein differenzierten skulpierten und möglicherweise auch stuckierten Gliederungsapparat all´antica. Im unteren Bereich wird die Mittelachse durch den Schlußstein markiert, der bedrohlich nach unten gerutscht ist und die Guttae der mittleren Triglyphe geradezu aufgesaugt hat. Eine weitere Verbindung zwischen den beiden Zonen erfolgt durch die Rustikaquader im Gebälk, die wie Masken auf den Trigylphen sitzen und von den unteren zu den oberen Säulenpaaren überleiten. Offen bleibt, ob die untere Zone hinaufwuchert oder die Loggia strahlend aus dieser herauswächst.
zum Stempel/Zeichen
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/23267/mantua--projekt-fur-ein-portal-mit-einer-loggiaImage RequestLast edited05.07.2024