Jagdszene mit Eber, Hirschen und Hasen
Giulio Romano
1527-1528
Künstler:in
Giulio Romano
(Rom 1499 - 1546 Mantua)
Date1527-1528
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, braun laviert, Quadrierung in schwarzer Kreide
Dimensions25,6 x 40,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number338
Inscribedl.u. "Jule" (in Bleistift); r.u. "5" (in Feder)
Markingsr.u. Prinz Charles de Ligne (Lugt 592, fragmentiert); l.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
TextAls Aufenthaltsraum im Palazzo del Te diente Federico II Gonzaga die Sala dei Venti, die mit vergoldetem Stuck und buntfarbigen Malereien prachtvoll geschmückt ist (1527/28 dekoriert). Das Thema der Astrologie bestimmt das komplizierte Programm an der Decke, das Giulio durch ein regelmäßiges geometrisches Gliederungssystem, das auf die Seitenwände des Raumes übergreift, zu einer grandiosen Einheit verbunden hat. In der Mitte herrschen die olympischen Götter über seitlich angrenzende Felder mit Personifikationen der zwölf Monate und Tierkreiszeichen. In 16 Medaillons unterhalb, die wie Bullaugen die Wand illusionistisch durchbrechen und den Blick auf den äußeren, irdischen Raum freigeben, sind Menschen in verschiedenen Tätigkeiten dargestellt. Sie zeigen den Einfluß, den Planeten, Sternbilder und Geburtskonstellationen auf die individuellen Anlagen und Interessen haben. Die Zeichnung der Albertina ist die Vorlage für eines der Medaillons, das die Wirkung der Konstellation der beiden Sterne Nördlicher und Südlicher Esel im Sternbild des Krebses unter Beeinflussung des Mars auf den Menschen zum Inhalt hat. Alle zu diesem Zeitpunkt geborenen Männer und Frauen werden zu großen Anhängern verschiedenster Arten der Jagd, der sie - wie Federico - auch mit großem Geschick und Leidenschaft nachgehen. Wie E. H. Gombrich (1950) nachgewiesen hat, fußen die Darstellungen auf Textstellen des spätantiken Astrologen Firmicus Maternus in dem Buch Matheseos Libri VIII sowie auf die Astronomica von dessen Vorgänger, dem augusteischen Dichter Manilius. Da die Zeichnung wie die meisten anderen erhaltenen Entwürfe ein rechteckiges Format hat, plante Giulio ursprünglich wohl, sie zu einem umlaufenden Fries zusammenzufügen. Später paßte er sie dem ovalen Medaillonfeld an, wobei sie einer seiner Schüler recht getreu ins Fresko übertrug und lediglich die Landschaft hinzufügte und den Mann auf der linken Seite wegließ (vgl. Hartt, 1958, Bd. 2, fig. 199). Eindrucksvoll stellt Giulio den entfesselten Jagdtrieb der Menschen dar, die mit Pfeil und Bogen, Spießen oder zu Pferde das Wild hetzen, das voller Angst wegspringt oder bereits am Boden von den Bissen der Hunde getötet wird. Das Knäuel dicht gedrängter Körper auf der linken Seite löst sich in den langgezogenen Leibern der fliehenden Tiere, wobei die Dynamik der Bewegungen durch das unruhige, zunächst plastisch modellierende, dann lichtere und fließende Helldunkel noch unterstrichen wird. Der animalische furor des von den Sternen gelenkten, nicht aus eigenem Willen handelnden Menschen wird in dieser Szene auf schönste Art veranschaulicht, wie K. Oberhuber treffend festgestellt hat (Wien, 1975, Nr. 34). Kompositionell orientierte sich Giulio an der klassischen Szene mit Meleager und Atalanta, den beiden kühnen sich liebenden Jägern. Anregungen dürften Sarkophage mit der Jagd von Atalanta und Meleager auf den kaledonischen Eber geliefert haben (vgl. Bober und Rubinstein, 1987, Nr. 113). Giulio flicht in seine Komposition aber auch Figurenzitate von Werken seiner Zeitgenossen ein, denn der Jäger zu Pferd ist von dem Reiter im Vordergrund von Gian Giacomo Caraglios Kupferstich Schlacht mit Lanze und Schild übernommen (B. XV, S. 93, Nr. 59).
zum Stempel/Zeichen
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/23514/jagdszene-mit-eber-hirschen-und-hasenImage RequestLast edited18.04.2013