Felslandschaft mit Klostergebäude
Bartolomeo della Porta gen. Fra Bartolomeo
um 1500
Fra Bartolomeo, ein Vertreter der Florentiner Hochrenaissance und Dominikanermönch, bereitete alle seine Werke sorgfältig durch Zeichnungen und Naturstudien vor. Das Kloster, Ort der Andacht und des Gebets, lagert im Mittelpunkt der urtümlichen Landschaft. Die Landschaftsdetails weisen Größenunterschiede auf und scheinen versatzstückartig aus Einzelstudien kombiniert zu sein, das Klostergebäude konnte hingegen topografisch genau bestimmt werden: Es handelt sich um eine Ansicht des Ospizio di S. Maria Maddalena im Mugnonetal, nordöstlich von Florenz. Fra Bartolomeo hat der Anlage jedoch durch Veränderung einzelner Bauglieder eine reizvollere Staffelung gegeben.
Fra Bartolomeo ging bei #Cosimo Rosselli in die Lehre, wurde aber auch von #Domenico Ghirlandaio, #Piero di Cosimo und maßgeblich von #Leonardo beeinflusst. Begeistert von den fanatischen Bußpredigten #Girolamo Savonarolas, verbrannte er seine nicht religiösen Werke, trat in das Kloster von S. Domenico in Prato ein und gab für einige Zeit das Malen auf. Er verband verschiedene Stiltendenzen des späten Quattrocento mit den neuen Errungenschaften #Leonardos und entwickelte im Laufe der Zeit einen monumentalen, ernsten und würdevollen Stil, den kompositionelle Ausgewogenheit und Klarheit in der Figurenauffassung kennzeichnen. Fra Bartolomeo war wesentlich für die Herausbildung der Hochrenaissance in Florenz verantwortlich. Er bereitete alle seine Darstellungen sorgfältig durch Skizzen, Zeichnungen nach Modellen und Naturstudien vor: Über hundert Landschaftszeichnungen sind nach dem Tode des Frate in dem Inventar seiner Hinterlassenschaft überliefert.
Die Studie der Albertina gehört durch den malerischen Reichtum und die Lebendigkeit der Naturformen zu den schönsten Arbeiten des Künstlers dieser Art. Das Kloster, Ort der Andacht, Meditation und des Gebets, lagert ruhig im Mittelpunkt dieser urtümlichen Landschaft. Es baut sich aus horizontalen und vertikalen Linien auf, wohingegen der Künstler für die Landschaft schräg ansteigende Schraffuren verwendet, die sich in den Schattenpartien überkreuzen und den Blattgrund an den Stellen freilassen, wo sich das warme Sonnenlicht über Gestein und Vegetation ausbreitet. Die Landschaftsdetails weisen offensichtliche Größenunterschiede auf und scheinen versatzstückartig aus verschiedenen Einzelstudien kombiniert zu sein. Wie bei den meisten anderen Zeichnungen dieser Art (vgl. Inv. 17578) konnte das Klostergebäude topografisch genau bestimmt werden: Es handelt sich um eine Ansicht des Ospizio di S. Maria Maddalena im Mugnonetal nordöstlich von Florenz. Fra Bartolomeo hat der Anlage jedoch durch Veränderung einzelner Bauglieder eine reizvollere Staffelung gegeben. In seinen Bildern verarbeitete er die gezeichneten Motive nur selten, doch wurden sie von anderen Künstlern wie #Mariotto Albertinelli, #Giuliano Bugiardini, #Domenico Beccafumi und wahrscheinlich auch von #Raphael verwendet.
Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 38.
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