Egon Schiele, Zwei kauernde Mädchen, Inv. Nr.: 27945
Zwei kauernde Mädchen
Egon Schiele, Zwei kauernde Mädchen, Inv. Nr.: 27945
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Zwei kauernde Mädchen

Egon Schiele

1911




Die Kinderbildnisse von 1911 und 1912 (Inv. 27945, Inv. 27946, Inv. 30541 und Inv. 31171) zählen mit ihrer differenzierten Charakterisierungskunst zu Schieles bedeutendsten Werken. Maltechnisch dominiert in diesem Jahr das Aquarell, nicht die Gouache: An die Stelle der ausdrucksvoll schlingernden Pinselschrift tritt der kontrolliert-freie Fluss der Wasserfarben

Es ist erschreckend, wie wenig Glück und Lachen Schiele in diesen Kindern seiner nächsten Umgebung entdeckt. Gründet das in seiner melancholischer Weltsicht? Oder spiegelt sich in diesen proletarischen Kinderbildnissen nur eine Realität, die der Schmerzlosigkeit und dem kindlichen Glück so wenig Lebensraum gegeben hat?



Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1911
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Aquarell, Deckweiß auf Japanpapier, grundiert
Dimensions41,3 × 32 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number27945
Inscribedr.u. Inv.-Nr. "27945."
SignedMitte rechts "EGON / SCHIELE / 1911."
Text

Die Kinderbildnisse von 1911 zählen mit ihrer differenzierten Charakterisierungskunst zu Schieles bedeutendsten Werken. Maltechnisch dominiert in diesem Jahr das Aquarell, nicht die Gouache: An die Stelle der ausdrucksvoll schlingernden Pinselschrift tritt 1911 der kontrolliert-freie Fluss der Wasserfarben. Die Kauernden Mädchen sind in der Umsetzung der traditionellen Aquarelltechnik des Nass-in-Nass-Malens technische Meisterwerke. Schiele lichtet die Höhungen nur durch die Verdünnung der Farbe mit Wasser auf. Die einzelnen Farbfelder trennt er jedoch weiterhin - dem Bleistiftkontur folgend - scharf voneinander. Mit diesen Farbfeldern strukturiert Schiele die Zeichnung, bis sie, fast blattfüllend, nur mehr Reste des Papiers von Farbe unbedeckt lassen.
Die beiden aneinandergerückten kauernden Mädchen sind in der Vertikalen eng verfugt. Der psychologisch wirksamen Kompaktheit des Paares wegen schließt Schiele auch den äußeren Umriss der Gruppe und verzichtet auf die Darstellung der Beine und Füße der Mädchen. Das Inkarnat ist kaum oder nur sehr hell aquarelliert und kontrastiert dergestalt zu den dunklen Textilien.
Mit der strengen Formalisierung des Bildaufbaus geht jedoch gegenläufig Schieles Interesse an der unverwechselbaren Persönlichkeit jedes einzelnen Mädchens einher: an der besonderen Individualisierung der Kinder. Deren Charakter und Temperament - die nackte Neugierde des älteren schlanken Mädchens hier, das stille Phlegma des jüngeren, molligen dort - stellt Schiele differenziert dar: ein für den Künstler völlig neues Interesse für den Menschen in seiner Einzigartigkeit.

Klaus Albrecht Schröder, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best., Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 213.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 761
  • Bibliography
  • Karpfen 1921, Abb. 13
  • AK Albertina 1943, Nr. 41
  • AK Wien 1945, Nr. 4
  • Künstler 1946, Abb. 3
  • AK Wien 1948, ohne Nr.
  • AK São Paulo 1957, Nr. 16
  • AK Zürich 1958, Nr. 55
  • Benesch 1958, nach S. 32
  • Mitsch 1961, S. 49 (1969, Abb. 27)
  • AK Albertina 1968, Nr. 177, Abb.
  • AK Salzburg 1968, Nr. 19
  • Koschatzky 1968, Nr. 20
  • Leopold 1972, Tafel 73
  • Olivetti 1972, März
  • Mitsch 1974, Tafel 21
  • Nebehay 1977, S. 42 (1980, Abb. 37)
  • Malafarina 1982, Tafel XIV, Nr. D 42
  • AK Albertina 1990, Nr. 69, Abb.
  • Steiner 1991, S. 43
  • Werkner 1994, S. 60
  • AK Washington u.a. 1994, Tafel 13
  • Artinger 1999, S. 47
  • AK Mailand 2000, S. 71, Abb.
  • AK Rom 2001/02, Nr. 93, Abb.
  • AK Albertina 2003/04 a, Nr. 95
  • AK Amsterdam 2005, S. 53, Abb.
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 84
  • Klaus Albrecht Schröder in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best., Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 213
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 28
  • Klaus Albrecht Schröder, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 86-87 (in spanischer Sprache)
  • Provenance
  • Sammlung Alfred Spitzer (1861-1923), Wien
  • 1937 erworben von Hanna Spitzer (1897-1981), Wien

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/3040/zwei-kauernde-madchenImage Request
    Last edited30.04.2024

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    Egon Schiele, Kauernde, Inv. Nr.: DG1919/11
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