Nikolaus Rubens mit Korallenschnur
Peter Paul Rubens
um 1619
Rahmenaußenmaß 54,4 × 46 × 3,9 cm
Rubens' Ruf als hervorragender Porträtist lag in einer neuen Porträtauffassung begründet: Seine Bildnisse zeichneten sich durch Lebendigkeit und Wirklichkeitsnähe aus, womit er dem bis dahin gültigen Schematismus im manieristischen Porträt eine Absage erteilte. Ab 1621 verkehrte Rubens verstärkt an den Höfen von Madrid, London und Paris. Die Fürsten baten ihn um Bildnisse, sodass er praktisch alle Herrscher dieser Höfe und zahlreiche Mitglieder der jeweiligen Familien und deren Entourage malte. Als berühmter Maler war es für Rubens ein Leichtes, zu bedeutenden Persönlichkeiten und Herrschern vorzudringen, wodurch er für die Regentin der Südlichen Niederlande, #Isabella Clara, auch heikle diplomatische Funktionen übernahm, die er äußerst erfolgreich bewältigte.
Es scheint, als hätten diese offiziellen Porträts Rubens' Interesse an diesem Genre auch für seine eigene Familie geweckt. 1609 hatte er Isabella Brant, die Tochter des Antwerpener Humanisten und Rechtsgelehrten Jan Brant (1559-1639) geheiratet. Das Paar hatte drei Kinder, die zwei Söhne Albert und Nikolaus und eine Tochter, Clara Serena. Von allen drei Kindern hat Rubens Kopfstudien angefertigt, die sich heute in der Albertina befinden. Sie spiegeln die tiefe persönliche Zuneigung des Vaters für seine Kinder wider und sind wohl in häuslichen Mußestunden des Künstlers entstanden. Bereits in Italien hatte Rubens Erfahrungen mit der Verwendung farbiger Kreiden gesammelt; in den Zeichnungen seiner Kinder kam diese Technik nun zu höchster Vollendung. Mit zarten Konturlinien in schwarzer Kreide umschreibt er die Form des Kopfes und hält zumeist die Kleidung fest, mit dem Rötelstift erfüllt der Künstler die Gesichter mit organischem Leben. Gelegentlich gehen die gewischte rote und schwarze Kreide ineinander über, um die Schattenpartien festzulegen, denen mit der weißen Kreide gesetzte Glanzlichter antworten. Die Naturnähe dieser Porträts eignete sich trefflich, um die lebendige Unmittelbarkeit der Kinder dem Betrachter möglichst nahezubringen, weshalb sie von Rubens mitunter auch als Vorlagen für den Jesus- oder Johannesknaben in Altarbildern verwendet wurden.
Rubens' Sohn "Nikolaus mit Korallenschnur" ist sicherlich eine der reizvollsten Zeichnungen der Albertina und zweifellos das berühmteste Kinderporträt überhaupt. Die dem Blatt namengebende Korallenschnur gab man früher Kleinkindern, um sie vor allerlei Unbill zu schützen. Der etwa einjährige jüngere Sohn von Rubens, Nikolaus, blickt mit gesenkten und mit für sein Alter vielleicht zu nachdenklichen Augen vor sich hin. Rubens hat das Bildnis für den Kopf des Jesusknaben in dem Gemälde "Die Heilige Familie", das sich heute in der Gemäldegalerie in Kassel befindet, verwendet, es aber den inhaltlichen Forderungen eines Altarbildes entsprechend umgedeutet: Was auf der Zeichnung das Ergebnis des Festhaltens eines transitorischen Augenblicks darstellt, wurde von Rubens im Gemälde als die Vorahnung des Knaben über sein künftiges Schicksal interpretiert.
Über Nikolaus Rubens' Leben ist nur wenig bekannt. Seinen Vornamen erhielt er von seinem Taufpaten, dem Genueser Patrizier #Niccolò Pallavicini. 1640 heiratete er, hatte mit seiner Frau Constance Helmann sieben Kinder und starb 1655.
vgl. Heinz Widauer, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 67.
Ab 1621 verkehrte Rubens in diplomatischer Mission an den Höfen von Madrid, London und Paris. Die Fürsten schätzten seine Gesellschaft und baten ihn um Bildnisse, wodurch er praktisch alle Herrscher dieser Höfe und zahlreiche Mitglieder der jeweiligen Familien und deren Entourage malte. Rubens’ Bildnisse zeichnen sich durch eine bis dahin ungekannte Menschlichkeit aus, die die Persönlichkeiten über ihre Ämter hinaushebt. Lebendigkeit und Wirklichkeitsnähe in seinem Porträtschaffen mag sich Rubens mit einer Reihe von Familienbildnissen erarbeitet haben: 1609 hatte er Isabella Brant (1591–1626), die Tochter des Antwerpener Humanisten und Rechtsgelehrten Jan Brant (1559–1639) geheiratet. Das Paar hatte zwei Söhne, Albert und Nikolaus, und eine Tochter, Clara Serena. Von allen drei Kindern hat Rubens Kopfstudien angefertigt, die sich heute in der Albertina befinden (Inv. 8259, Inv. 8266, Inv. 8268). Sie spiegeln die tiefe Zuneigung des Vaters für seine Kinder wider und sind wohl in häuslichen Mußestunden des Künstlers entstanden.
Rubens’ Sohn Nikolaus mit Korallenschnur ist sicherlich eine der reizvollsten Zeichnungen der Albertina und zweifellos das berühmteste Kinderporträt überhaupt. Die dem Blatt namengebende Korallenschnur legte man früher Kleinkindern an, um sie vor allerlei Unbill zu schützen. Der etwa einjährige jüngere Sohn von Rubens, Nikolaus (1618–1655), blickt mit gesenkten und sehr nachdenklichen Augen vor sich hin. Kann man einem Kleinkind diese Art kontemplativer Versunkenheit zutrauen? Rubens hat das Bildnis für den Kopf des Jesusknaben in dem Gemälde Maria mit Kind und Johannesknaben, von Heiligen und reuigen Sündern verehrt (Gemäldegalerie Kassel, Inv. GK 119) verwendet, es aber den inhaltlichen Forderungen eines Altarbildes entsprechend umgedeutet: Was auf der Zeichnung vielleicht ein zufälliger und transitorischer Augenblick war, in dem der Knabe festgehalten wurde, ist vom Künstler im Gemälde als die Vorahnung des Knaben über sein künftiges Schicksal umgedeutet worden.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 113, S. 234.
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