Architekturfantasie
Hubert Robert
1760
Ansichten von Rom und anderen antiken Städten erfreuten sich immer größerer Beliebtheit, gehörte doch die »Grand Tour«, eine Besichtigungsreise durch Italien, zum festen Bestandteil adeliger Bildung. Bei Hubert Robert, der sich von 1754 bis 1765 in der Ewigen Stadt aufhielt, bildete die reale Architektur nur das Ausgangsmaterial, das künstlerisch neu gestaltet und durch Vegetation und Staffagefiguren dekorativ verfremdet wurde. Vorbildhaft waren hierfür die Architekturcapricci von Giovanni Battista Piranesi und Giovanni Paolo Pannini. Es sind großformatige Bilder auf Papier, deren künstlerische Qualität der Malerei ebenbürtig ist.
After serving an apprenticeship with the sculptor Michel-Ange Slodtz, Robert went to Rome from 1754 to 1765 where, as a scholarship recipient at the French Academy from 1759 and 1762, he developed a friendship with, above all, Fragonard and the art lover and patron, Abbé de Saint Non. After returning to Paris, he was elected to the Academy as an architectural painter in 1766, and in 1778, was appointed “Dessinateur des jardins du Roi” (draftsman for the royal gardens). Designs for Versailles and other parks verify this work. Decisive for his artistic development during his Roman years were chiefly his encounters with Giovanni Battista Piranesi and Gian Paolo Panini, who taught perspective at the Academy. From them he adopted the type of the architectural capriccio and ruin genre. The real architecture, mostly famous monuments in the city of Rome, merely formed a starting point that was then artistically re-designed and made foreign, by the addition of ruined wall sections often already overgrown with plants, into a decorative architectural ruin.
A characteristic example is this Architectural Fantasy that has been eclectically assembled from different building elements, including the towers similar to the Sibylline Temple in Tivoli, to form an independent pictorial motif. Individual ruinous sections of wall, overgrown by nature, not only emphasize the decorative pictorial effect, but also identify the depiction as an allegory of transience. To elucidate the contradiction between the antique monument as a memorial of the past, and daily life, Robert frequently places a group of washerwomen as staffage figures in the foreground.
Views of the Eternal City were enjoying increasing popularity; after all, the Grand Tour, a sightseeing journey through Italy, was a compulsory component of the education of the noble classes. Particularly lively was the interest in the eighteenth century, resulting from the latest archeological discoveries in Tivoli, Pompeii, and Herculaneum.
Nach einer Lehre bei dem Bildhauer #Michel-Ange Slodtz ging Robert von 1754 bis 1765 nach Rom, wo er als Stipendiat an der französischen Akademie 1759 bis 1762 vor allem mit Fragonard und dem Kunstliebhaber und Mäzen, dem #Abbé de Saint-Non, Freundschaft schloss. Nach seiner Rückkehr nach Paris wurde er 1766 als Architekturmaler in die Akademie aufgenommen und 1778 zum "Zeichner der königlichen Gärten" (Dessinateur des jardins du Roi) ernannt. Entwürfe für Versailles und andere Parkanlagen belegen diese Tätigkeit. Während seiner römischen Jahre war für seine weitere künstlerische Entwicklung vor allem die Begegnung mit #Giovanni Battista Piranesi und #Giovanni Paolo Panini, der an der Akademie Unterricht in Perspektive gab, entscheidend. Von ihnen übernahm er den Typus des Architektur-Capriccios und des Ruinen-Genres. Die reale Architektur, vorwiegend berühmte Baudenkmäler der Stadt Rom, bildet dabei nur das Ausgangsmaterial, das künstlerisch neu gestaltet und durch Hinzufügen zerstörter, bereits häufig von Pflanzen überwachsener Mauerteile zu einer dekorativen Ruinenarchitektur verfremdet wird.
Ein charakteristisches Beispiel dafür ist diese Architekturfantasie, die aus verschiedenen Bauwerken, darunter dem Sibyllentempel in Tivoli ähnlichen Türmen, eklektisch zu einer eigenständigen Bildfindung zusammengestellt wurde. Einzelne ruinöse und bereits von der Natur überwucherte Mauerteile verstärken nicht nur die dekorative Bildwirkung, sondern weisen die Darstellung zugleich als Allegorie der Vergänglichkeit aus. Um die Gegensätzlichkeit von antikem Monument als Denkmal der Vergangenheit und alltäglichem Leben deutlich zu machen, setzt Robert häufig eine Gruppe Wäscherinnen als Staffagefiguren in den Vordergrund.
Ansichten der Ewigen Stadt erfreuten sich immer größerer Beliebtheit, gehörte doch die Grand Tour, eine Besichtigungsreise durch Italien, zum festen Bestandteil adeliger Bildung. Besonders rege war das Interesse im 18. Jahrhundert infolge der neuesten archäologischen Funde in Tivoli, Pompeji und in Herculaneum.
Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 142.
