Liegender weiblicher Akt
Albrecht Dürer
1501
Der aufgestützt liegende weibliche Akt gilt als eine der ersten konstruierten Figuren Dürers, seit Ludwig Justi (1898) entsprechende geometrische Silberstiftlinien im grünen Papiergrund entdeckt hat. Dafür spricht nicht nur das fehlende Ambiente (außer dem Bildhorizont), sondern auch die sorgfältige Beschriftung mit Monogramm und Datum 1501 "Dz hab ich gfisyrt" (etwa: nach dem Maßstab entworfen). Auch die minutiöse Ausführung in "venezianischer" Technik, weiß und schwarz auf getönter Grundierung, lässt die Bewertung des Blattes als ein gültiges Resultat erkennen.
Dürer hat offensichtlich auf die Liegende des "Meerwunders" (Inv. DG1930/1521) zurückgegriffen, diese jedoch in eine gesucht künstliche Haltung gebracht unter Vermeidung von Drehungen, Überschneidungen und Verkürzungen, um so meßbare Körperteile und -distanzen zu gewinnen. Jedoch wurde diese Liegende nicht, ebensowenig wie Liegefiguren überhaupt, als Demonstrationsfigur in die weitere Arbeit Dürers an und mit der menschlichen Proportion einbezogen.
Albrecht Dürer, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. L. Sternath, Albertina, Wien 2003, Abb. 59, S. 246.
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