Albrecht Dürer, Liegender Löwe (aus dem Silberstiftzeichenbuch der Niederländischen Reise), Inv…
Liegender Löwe (aus dem Silberstiftzeichenbuch der Niederländischen Reise)
Albrecht Dürer, Liegender Löwe (aus dem Silberstiftzeichenbuch der Niederländischen Reise), Inv. Nr.: 22385v
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Liegender Löwe (aus dem Silberstiftzeichenbuch der Niederländischen Reise)

Albrecht Dürer

1521




Dürer dokumentierte seinen fast einjährigen Aufenthalt in den Niederlanden in einem Reisetagebuch, aber auch auf zahlreichen Einzelblättern und in Skizzenbüchern, etwa dem später aufgelösten Silberstift-Skizzenbuch. Das Vorderseite des vorliegenden Blattes belegt mit der Darstellung eines Mädchens in Kölner Tracht Dürers lebenslanges Interesse an regionaltypischer Kleidung. Zu einem späteren Zeitpunkt ergänzte Dürer die Figur um ein Porträt seiner Frau Agnes und hielt schriftlich fest, dass das Bildnis im Juli 1521 auf dem Rhein bei Boppard, also offenbar auf der Rückreise nach Nürnberg, entstanden ist. Den Skizzenbuchcharakter des Blattes unterstreicht die Rückseite, die Dürer für die Wiedergabe eines Löwen nutzte, den er am 10. April 1521 im Tiergarten in Gent gesehen hatte. Dürer konzipierte das detailliert ausgearbeitete Doppelporträt erstaunlich bildhaft und schuf durch die Gegenüberstellung von Alt und Jung eine Art Vanitasmotiv.



Dürer documented his almost year-long stay in the Netherlands in a journal he kept of the trip as well as in numerous individual drawings and sketchbooks, including the now dispersed silverpoint sketchbook.

Recto: The drawing of a young girl wearing typical Cologne garments testifies to Dürer’s lifelong interest in local costumes. At a later point in time, he added a portrait of his wife Agnes and noted that it was drawn on the Rhine at Boppard, apparently during the return trip to Nuremberg, in July 1521.

The sketch-like character of the drawing is underscored by the reverse, which Dürer used to depict a lion he had seen at the zoological garden in Ghent. Dürer conceived the double portrait he worked out in detail in an astonishing pictorial manner, creating a kind of vanitas motif through the juxtaposition of young and old.



Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1521
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSilberstift auf weiß grundiertem Papier
Dimensions13,5 x 19,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number22385v
Inscribedr.o. "zw gent"
Markingskein Sammlerstempel Herzog Albert von Sachsen-Teschen
Text

Das Silberstiftskizzenbuch, bequem in eine Tasche passend, führte Dürer während seiner Reisen und Aufenthalte in den Niederlanden 1520/21 ständig bei sich. Bei Seiten mit Doppelbildnissen entstand die linke Figur zuerst, später (oft an anderem Ort zu anderem Anlass) kam die hintere rechte Halbfigur dazu. Eine strikte chronologische Abfolge der Zeichnungen gab es nicht. Es waren künstlerische wie ästhetische Gründe, aus denen heraus Dürer die Seiten mit Naturaufnahmen ergänzte und kombinierte. Es liegt nahe, dass er zuerst die Vorderseiten des Skizzenbuches füllte. Platznot zwang ihn bald, auch die Rückseiten einzubeziehen. Die in Gent gefüllte Blattrückseite lässt sich auf den 10. April 1521 datieren. An diesem Tag erblickte der Künstler im dortigen fürstlichen Tiergarten erstmals lebende Löwen. "Darnach sahe ich die löben und conterfeyt einen mit den stefft", notierte er im Tagebuch. Das Tier faszinierte ihn so, dass er es auf einem zweiten Blatt des Silberstiftskizzenbuches in zwei abweichenden Ruhepositionen festhielt (Berlin, Kupferstichkabinett).

vgl. Albrecht Dürer, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. L. Sternath, Albertina, Wien 2003, Abb. 174, S. 496-498.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 143
  • Winkler 781
  • Strauss 1521/13
  • Bibliography
  • Tietze/Tietze-Conrat 1938, Nr. 812-813
  • Panofsky 1943, Bd. 2, Nr. 1498-1499
  • Rupprich 1956, S. 195, Anm. 582
  • Schilling 1958a
  • AK Albertina 1971, Nr. 123a
  • Mende 1971, Nr.. 1652, 1700, 1959, 3487-3497, 7538
  • White 1971, Nr. 78
  • AK Brüssel 1977, S. 54, 56
  • Strieder 1981, S. 19, 212
  • AK Albertina 1985, S. 160, Nr. 55
  • Anzelewsky 1988, Taf. 24
  • Gattineau 1988, S. 75-77
  • Zander-Seidel 1990, S. 119 f.
  • AK Düsseldorf 1991, S. 114
  • Eisler 1991, S. 159-161
  • Hewak/Hugue 1993, S. 16, 51
  • AK Basel/Berlin 1997/98, S. 162 (unter Nr. 10.31)
  • AK Oslo 2002, Nr. 22 a-b
  • Salley 2003, S. 50 f., Farbtaf. S. 52
  • AK Albertina 2003, Nr. 174 (M. Mende)
  • AK Madrid 2005, S. 280-282, unter Nr. 76 (M. Mende)
  • Unverfehrt 2007, S. 160
  • Strieder 2012, S. 212
  • AK Washington 2013, S. 258 Nr. 103 (M. Mende)
  • Provenance
  • 1607/11 in der Schatzkammer Rudolfs II. in Prag inventarisiert (Nr. 2704: "A. D. ein zaichnusbuch in quarto,überlengt, uff baingeschwembt papir, darein er, Dürer, mit einem silbern stefft etliche conterfettl, thier, stett gezaichnet, darein auch 3 vögel von mieiner (sic!) D. F. [Daniel Fröschel] hand eingeklebt."
  • vor 1675 von Joachim von Sandrart in der Kaiserlichen Kunstkammer Wien gesehen ("… in selbiges Buch hab ich auch gesehen von seiner Hand gezeichnet viele Sachen nach dem Leben gerissen / als die Kirchen-Thür zu Antorff und Leyden / samt. vielen andern zu Utrecht noch befindlichen Gebäuden / welche er alle mit der Feder nachschraffirt."
  • J. v. Sandrart, Teutsche Academie, Nürnberg 1675, II, Buch 3, S. 224)
  • Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1921 an die Albertina abgegeben

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    Last edited24.01.2025