Giulio Romano, Psyche neben den Getreidehaufen, Inv. Nr.: 337
Psyche neben den Getreidehaufen
Giulio Romano, Psyche neben den Getreidehaufen, Inv. Nr.: 337
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Psyche neben den Getreidehaufen

Giulio Romano

1526 - 1527




Künstler:in (Rom 1499 - 1546 Mantua)
Date1526 - 1527
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun
Dimensions24 x 28,5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number337
Markingsr.u. Prinz Charles de Ligne (Lugt 592, fragmentiert); l.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text
Giulio Romano war der begabteste und vielseitigste Schüler Raphaels. Nach dessen Ableben trat er das künstlerische Erbe des Meisters an, entwickelte dessen Stil weiter und führte angefangene Projekte gemeinsam mit Giovanni Francesco Penni zu Ende. Auf Einladung des Marchese Federico II. Gonzaga begab er sich im Oktober 1524 nach Mantua, wo er zum gefeierten Hofmaler und leitenden Architekten des Herzoghauses aufstieg und bald nach seiner Ankunft mit der Erbauung und dekorativen Ausschmückung des Palazzo del Te begann, den er zu einem der prachtvollsten Fürstensitze des 16. Jahrhunderts machte. Für die Ausgestaltung beschäftigte Giulio einen großen Mitarbeiterstab, schuf aber die Entwürfe für jedes Detail wie zuvor sein Lehrer selbst. Die für Bankette und Feste genutzte Sala di Psiche, einer der repräsentativsten Räume des Palastes, schmückte Giulio mit Episoden aus dem Märchen Der goldene Esel  des antiken Schriftsellers Lucius Apuleius aus. Die Bilder an der reich dekorierten Decke illustrieren einzelne Episoden vom Anfang der Geschichte: Psyche, die Tochter eines Königspaares, erregt durch ihre Schönheit die Eifersucht Aphrodites, die ihren Sohn Amor auffordert, Psyche mit Liebe zu dem elendsten Menschen zu erfüllen. Amor verliebt sich jedoch selbst in die Schöne, die sich ihm eines Nachts mit der Lampe nähert, woraufhin dieser entweicht. Die Lünettenfelder unterhalb beziehen sich auf die darauffolgenden Ereignisse: Die erzürnte Aphrodite erfährt schließlich von der Verbindung und erteilt Psyche vier gefährliche Aufträge, die sie nur mit übernatürlicher Hilfe zu bewältigen vermag. Nach bestandenen Prüfungen werden die beiden Liebenden schließlich mit der Ehe belohnt und Psyche mit der Unsterblichkeit. An den Seitenwänden der Sala sind das Hochzeitsmahl und verschiedene Götterpaare dargestellt, und den Abschluss bildet die Hochzeitszeremonie im zentralen Deckenbild. Auf der Federskizze hält Giulio eine der Prüfungen Psyches fest, die weinend neben Haufen von Samenkörnern verschiedener Getreidesorten sitzt, die sie auf Geheiß Aphrodites sortieren soll. Ameisen werden der Verzweifelten schließlich helfen, diese zu ordnen. Bei der Pose der Trauernden orientierte sich Giulio an Michelangelos einsam sitzender Frauengestalt in der Stichkappe rechts neben der Lybischen Sibyllen in der Sixtina. Wenngleich auf der Zeichnung die Gestalt Psyches der Ausführung im Lünettenfresko bereits sehr nahe kommt, hatte sich Giulio noch nicht auf die endültige Anbringung festgelegt, da auf dem Blatt der Ausschnitt schmäler und der Körper von der anderen Seite beleuchtet ist. Giulios Federtechnik mit ihren rasch und sicher gezogenen Linien erinnert unmittelbar an die seines Lehrers. Der Vergleich mit der Muse für den Parnaß (Inv. 219) zeigt aber, daß Raphaels Striche viel stärker variieren und die Bewegungen artikulierter, raumhaft und von innen heraus belebt erscheinen lassen. Giulio umschließt den Körper dagegen mit der Kontur und drückt ihn dadurch in die Fläche. Die Schraffuren lassen die Formen nicht rund und umgreifbar erscheinen, sondern rhythmisieren lediglich die Oberfläche und unterstreichen dadurch die reliefhafte Wirkung.
Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 418
  • Stix 1932, R 90
  • Birke/Kertész I, 337
  • Bibliography
  • Braun 128 - Bartsch, 1794, S. 13f., Nr. 7
  • Wickhoff, 1892, S. XXXV
  • Stix und Fröhlich-Bum, 1932, S. 15, Nr. 90
  • Hartt, 1958, Bd. 1, S. 85, 126ff., 297, Nr. 167, Bd. 2, fig. 297
  • K. Oberhuber, in: Mantua, 1989, S. 157, 347f., Abb. S. 165
  • Oberhuber, 1989-1990, S. 136, Abb. IV/7
  • Birke und Kertész, 1992, Bd. 1, S. 192f.
  • C. Begley, in: New York, 1999, S. 76, Anm. 20
  • Sydney, 2002, Nr. 10 (Text v. A. Gnann)
  • Venedig, Wien und Bilbao, 2004-2005, Nr. 68 (Text von A. Gnann)
  • Haarlem 2012/2013, Kat. 65 (Text von A. Gnann)
  • Provenance
  • Prinz Charles de Ligne
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/22917/psyche-neben-den-getreidehaufenImage Request
    Last edited18.04.2013