Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Studie für eine Kanephore der Gewölbedekoration von S.…
Studie für eine Kanephore der Gewölbedekoration von S. Maria della Steccata
Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Studie für eine Kanephore der Gewölbedekoration von S. Maria della Steccata, Inv. Nr.: 17661
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Studie für eine Kanephore der Gewölbedekoration von S. Maria della Steccata

Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino

um 1534-1535




Künstler:in (Parma 1503 - 1540 Casalmaggiore)
Dateum 1534-1535
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesRötel, Griffelvorzeichnung, Weißhöhung; im rechten oberen Eck angesetzt
Dimensions22,9 x 11,1 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number17661
Inscribedl.o. "69" (in Kreide); r.u. vom Verso spiegelverkehrt durchscheinend "Del Parmigiano D. 50.-" (in Feder)
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die bezaubernde in Rötel mit Weißhöhung gezeichnete Frauenfigur ist eine Studie für die mittlere Kanephore an der Südseite des Tonnengewölbes im Hauptchor von Santa Maria della Steccata in Parma, dessen Ausschmückung die gesamten letzten zehn Jahre des Künstlers in Anspruch genommen hat. Am 10. Mai 1531 verpflichtete sich Parmigianino, die Ostapsis, das angrenzende Tonnengewölbe mitsamt den beiden Bogenlaibungen und das Gebälk unterhalb binnen achtzehn Monaten zu dekorieren. Da die Arbeit aber nicht voranging, setzte man am 27. September 1535 einen neuen Vertrag auf, in dem die Vollendung innerhalb der darauffolgenden zwei Jahre festgelegt wurde. Als auch diese Zeit verstrichen, die Freskierung der Apsis aber noch nicht begonnen war, ließen die Auftraggeber den Künstler im November 1539 verhaften. Er floh nach seiner Entlassung nach Casalmaggiore, wo er kurz darauf am 24. August 1540 verstarb.
Die Kopfhaltung der Frauengestalt nähert sich zwar der endgültigen Ausführung der Vasenträgerin im Fresko bereits an, aber die starken Abweichungen der Pose und des Gewandes sprechen für eine Erfindung in einem relativ frühen Entwurfsstadium. In dieser Phase hat der Künstler diese Figur in auffälliger Untersicht wiedergegeben. Ihre Schönheit und Ausstrahlung erhält sie durch die kontrollierte Linienführung und betonte Klassizität der Pose in Verbindung mit einer rhythmischen Lebendigkeit des Körpers, die bis in die Faltenmotive hinein spürbar wird. Der freudig sinnliche Blick schmälert nicht die Grazie und Eleganz ihrer Erscheinung, die durch das kräftige Licht, das die Oberfläche des Gewandes zum Glänzen bringt, noch unterstrichen wird. Die weichen und fülligen Formen und die schwungvolle Bewegung nehmen bereits Elemente der "Madonna dal lungo" (um 1535) vorweg, und in der Tat nähert sich das Albertina-Blatt zusammen mit einer ähnlichen Studie im Louvre einem Entwurf für die Gewölbedekoration der Steccata in Chatsworth von ca. 1535, dessen Rückseite eine Studie zu diesem berühmten Madonnenbild Parmigianinos in den Uffizien zeigt (Popham 1971, Nr. 421, Taf. 336, Nr. 719, Taf. 343 und 357). Alle diese Zeichnungen entstammen einem Planungsstadium, in dem die Vasenträgerinnen noch nicht wie später im Fresko Lampen halten, durch die sie gemäß der Parabel im Matthäusevangelium (25,1 - 13) als kluge und törichte Jungfrauen ausgewiesen werden.

Michelangelo und seine Zeit, Meisterwerke der Albertina, Wien/Bilbao 2004/05, Abb. 75, S. 186.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1891, SL 117
  • Birke/Kertész IV, 17661
  • Bibliography
  • Braun 335 - A.K. Wien 1963, Nr. 25
  • Popham 1971, Nr. 618, Taf. 336 und Nr. 228 (Liste aller Studien zu den Steccata-Fresken)
  • Koschatzky/Oberhuber/Knab 1971, Nr. 56
  • A.K. Paris 1975, Nr. 48
  • B. Adorni, Santa Maria della Steccata a Parma, Parma 1982, p. 127
  • A.K. Washington 1984/85, Nr. 55 (mit Lit.)
  • Birke 1991, p. 68, Anm. 25
  • AK Albertina/Venedig/Bilbao 2004/05, Nr. 75 (A. Gnann)
  • Albertina, Meisterzeichnungen: Dürer bis Michelangelo, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.53
  • Achim Gnann, Parmigianino. Die Zeichnungen, 2 Bde., Petersberg 2007, Kat. 811
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/26315/studie-fur-eine-kanephore-der-gewolbedekoration-von-s-mariaImage Request
    Last edited14.04.2025

    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Zwei Studien für die Eva der Steccata, Inv. Nr.: 2677
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
    um 1533-1535
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Beweinung Christi, Inv. Nr.: 2637
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
    um 1524-1526
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Die beiden Liebenden, Inv. Nr.: 2680
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
    um 1526-1527
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Mucius Scävola, Inv. Nr.: 2681
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
    1523-1524
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Studie für das Pfingstwunder (?), Inv. Nr.: 2590r
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
    um 1526
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Kopf des Christuskindes, Inv. Nr.: 2615
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
    um 1526-1527
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Maria mit dem Kind; rechts liegt ein Hund, Inv. Nr.: 2…
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
    um 1527-1529
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Der heilige Andreas an sein Kreuz gelehnt, Inv. Nr.: 2…
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
    um 1527-1529
    Entwurf zu einer Kassettendecke, in der Mitte weiblicher Kopf in einem Medaillon, Inv. Nr.: AZI…
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
    16. Jahrhundert
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Sitzende bärtige Figur, Inv. Nr.: 2689
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
    um 1521/22
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Faunin, Inv. Nr.: 35193
    Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
    um 1524-1526