Egon Schiele, Junges Bäumchen mit Stütze, Inv. Nr.: 27942
Junges Bäumchen mit Stütze
Egon Schiele, Junges Bäumchen mit Stütze, Inv. Nr.: 27942
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Junges Bäumchen mit Stütze

Egon Schiele

1912




Das Junge Bäumchen mit Stütze ist nach Schieles Aufenthalt im Neulengbacher Gefängnis entstanden. Das Bäumchen wächst ohne horizontale Verankerung labil aus dem unteren Blattrand hervor, die Geometrie der Vertikalen ist nicht als markante Richtungsvorgabe ausgeprägt. Das zarte Aquarell des fragilen jungen Baumes ist eine unmittelbare Naturstudie.



Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1912
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Deckfarben auf Japanpapier
Dimensions48 × 32 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number27942
SignedM.u. "EGON / SCHIELE / 1912"
Text

#Erwin Mitsch nimmt für das „Junge Bäumchen mit Stütze“ einen Terminus ante quem an: Es müsse vor dem Verkauf des Gemäldes „Sonne und Herbstbäume“ an #Fritz Wärndorfer entstanden sein, den Schiele am 11. April 1912 brieflich erwähnt.

 

Im Unterschied zu #Mitsch erkennen wir nicht den Zusammenhang dieses zarten Bäumchens – es weist eben erst frische Blätter auf – mit dem genannten Herbstbild. Wenn das Aquarell jedoch keine Vorstudie für das an Wärndorfer verkaufte Gemälde ist, entfällt der Terminus ante quem. Der fragile junge Baum kann ebenso gut später, also nach statt vor der Verhaftung und Entlassung aus dem Gefängnis entstanden sein. In der Tat besteht stilistisch ein enger Zusammenhang zum Aquarell "Kastanienbaum am Bodensee" und einer Bleistiftzeichnung, die Schiele am Bodensee gemacht hat. Eine Datierung in den Sommer ist näherliegender als in den Spätwinter.

 

Bemerkenswert ist jedoch die vom „Kastanienbaum am Bodensee“ abweichende Komposition. Letzter ist gleich einem Fensterkreuz komponiert: Die Horizontale des Seeufers, von dem die Hügelkette aufsteigt, und die Vertikale des Baumes sind in eine stabile Balance gebracht, die nur durch die „Kopflastigkeit“ der Baumkrone gefährdet scheint. Demgegenüber wächst das „Junge Bäumchen“ der Albertina ohne horizontale Verankerung labil aus dem unteren Blattrand hervor. Auch die Geometrie der Vertikalen ist noch nicht als radikale Richtungsvorgabe ausgeprägt. Im Unterschied zum „bildhaften“ Aquarell des Kastanienbaumes ist das zarte Aquarell der Albertina als unmittelbare Naturstudie zu bezeichnen.

 

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 224.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 1213
  • Bibliography
  • AK Wien 1928, Nr.
  • AK Albertina 1943, Nr. 46
  • AK Wien 1945, Nr. 24
  • AK Albertina 1948, Nr. 138
  • AK Linz 1949, Nr. 119/133
  • AK Salzburg 1950, Nr. 42
  • AK São Paulo 1957, Nr. 18
  • AK Zürich 1958, Nr. 56
  • Mitsch 1961, S. 37 (1969, Abb. 37)
  • AK New York 1965, Nr. 25
  • AK Albertina 1968, Nr. 202, Abb.
  • Koschatzky 1968, Nr. 28
  • AK Kopenhagen 1973, Nr. 23
  • AK München 1975, Nr. 179, Abb.
  • AK Genf 1980, Nr. 23
  • AK Berlin 1986, Nr. 23, Abb.
  • Nebehay 1989, Ab. 38
  • AK Albertina 1990, Nr. 86, Abb.
  • Steiner 1991, S. 79
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 118
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 57
  • Klaus Albrecht Schröder, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 118-119 (in spanischer Sprache)
  • Provenance
  • 1937 erworben von Arthur Stemmer (1880-1954), Wien

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    Last edited11.04.2022