Egon Schiele, Aktselbstbildnis, Inv. Nr.: 31262
Aktselbstbildnis
Egon Schiele, Aktselbstbildnis, Inv. Nr.: 31262
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Aktselbstbildnis

Egon Schiele

1916




Beim Aktselbstbildnis erweist sich Schiele als ein Meister des Naturalismus. Mit anatomischer Präzision werden sein Geschlecht, die Brusthaare und die Gesichtszüge beschrieben. Das Inkarnat wird durch die Kolorierung modelliert, sodass die unnatürliche Biegung des linken Oberschenkels kaum mehr auffällt. Interessant ist, dass Schiele, dem neben dem mimischen Ausdruck die Gestik so wichtig war, in diesem Fall beide Hände »versteckt«. Die exzentrisch aus der Mitte gerückte Komposition scheint vom Druck, der von oben auf die Gestalt einwirkt, geradezu in die Breite gequetscht zu sein.



Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1916
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Deckfarben auf Papier
Dimensions29,5 × 45,8 cm
Rahmenaußenmaß 51,6 × 67,5 × 4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number31262
InscribedAuf der Rückseite in Spuren lesbar: "Privatbesitz Hans Böhler" (?)
Signedl.u. "EGON / SCHIELE / 1916", umrahmt
Text

Während der größte Teil der Zeichnungen und Aquarelle bis 1914 autonome Werke und nicht im Zusammenhang mit Gemälden entstandene Vorstudien sind, steht das zeichnerische Schaffen in den letzten drei Lebensjahren Schieles in einem wesentlich engeren Konnex mit seiner allegorischen Monumentalmalerei: Die Signaturen und Datierungen auf den Zeichnungen designieren jedoch auch diese vorbereitenden Arbeiten letztlich zu in sich schlüssigen Kunstwerken, auch wenn Schiele selbst bereits 1914 gegenüber #Heinrich Benesch beklagte, dass er aus wirtschaftlicher Not heraus Studien, die eigentlich nur für ihn selbst bestimmt waren, „... um Werke entstehen zu lassen ...im Entstehungszustand weggeben ...“ müsse. Und 1917 schreibt der Künstler in diesem Sinn an den Verleger der ersten publizierten Schiele-Mappe, #Richard Lányi: „Sie müssen aber bedenken, dass meine Zeichnungen lediglich keinen anderen Zweck haben, als Vorbereitungen für zu malende Bilder zu sein.“ (zit. nach Leopold 1972, S. 670)

 

Die hockende Stellung Schieles mit dem seitlich nach vorn geneigten Kopf ist aufgrund seiner typologischen Verwandtschaft zum späten Gemälde des „Kauernden Menschenpaares“ (Österreichische Galerie Belvedere, Wien http://digital.belvedere.at/emuseum/view/objects/asitem/items$0040:3071§) wenig rätselhaft. Dennoch drängt auch diese extreme Kauerstellung nach einer Begründung. Die simple Annahme, dass sich Schiele beim Koten darstellt, wird von dem ernsten, prüfenden Blick zurückgewiesen. Auch erklärte dies zwar die Blöße des Geschlechts, nicht aber die völlige Nacktheit.

 

Schiele ist in diesem Werk bereits ein Meister des Naturalismus. Mit medizinischer Präzision werden sein Geschlecht, die Brusthaare und die Gesichtszüge beschrieben. Das Inkarnat wird durch die Kolorierung modelliert, sodass die unnatürliche Biegung des linken Oberschenkels kaum mehr auffällt. Interessant, dass Schiele, dem neben dem mimischen Ausdruck die Gestik so wichtig war, in diesem Fall beide Hände „versteckt“. Die exzentrisch aus der Mitte gerückte Komposition scheint vom Druck, der von oben auf die Gestalt einwirkt, geradezu in die Breite gequetscht zu sein.

 

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 324-326.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 1855
  • Bibliography
  • AK Zürich 1958, Nr. 71
  • AK Albertina 1959 a, Nr. 96
  • AK New York 1965, Nr. 35
  • Comini 1974, Abb. 129
  • AK München 1975, Nr. 236, Abb.
  • Whitford 1981, Abb. 134
  • AK Hamburg 1981, Nr. 220, Abb.
  • AK Winterthur 1982, Nr. 41, Abb.
  • Arnold 1984, S. 57
  • AK Paris 1986, S. 400, ohne Nr.
  • AK Albertina 1990, Nr. 142, Abb.
  • AK Washington u.a. 1994, Tafel 88
  • AK Wien 1995, Nr. 104, Abb.
  • AK Wien 1996–1998, ohne Nr.
  • AK London 2001 a
  • AK Zug 2001/02, ohne Nr.
  • Kallir 2003, S. 382/383
  • AK Amsterdam 2005, S. 138, Abb.
  • AKlaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 183
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 18
  • Kerstin Jesse/Jane Kallir/Hans-Peter Wipplinger (Hg.), Zeiten des Umbruchs. Egon Schieles letzte Jahre 1914-1918 (Ausst. Kat. Leopold Museum, Wien 2025), Köln 2025, Abb. S. 283
  • Provenance
  • 1952 erworben durch Tausch mit Rudolf Leopold (1925-2010), Wien

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/3216/aktselbstbildnisImage Request
    Last edited18.07.2025

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