Egon Schiele, Weiblicher Akt, Inv. Nr.: 30996r
Weiblicher Akt
Egon Schiele, Weiblicher Akt, Inv. Nr.: 30996r
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Weiblicher Akt

Egon Schiele

1910




Die drei Zeichnungen Inv. 31001r, Inv. 27944r und Inv. 30996r sind während einer einzigen Sitzung entstanden und zeigen dasselbe Modell, das eine sequenzhafte Drehung vor dem Betrachter vollzieht.

In Inv. 30996r ist die Dargestellte schräg zurückgelehnt, ihr Umriss wird mit Deckweiß nachgezogen. Einerseits unterstreicht Schiele damit die expressive Kontur des Mädchens, andererseits sieht man an dem Strahlenkranz, der den Kopf hinterfängt, dass für ihn das Deckweiß auch das Licht versinnbildlicht, das nach seinen Worten »aus den Körpern strömt und die Doppelnatur des Menschen symbolisiert«. Egon Schiele ist beeindruckt vom Spiritismus seiner Zeit: Durch seine Freunde aus der Neukunstgruppe lernt er die Theosophie Rudolf Steiners kennen. Er beschäftigt sich mit okkulten Phänomenen wie der Verdoppelung und Vermehrfachung der Person, mit Geistererscheinungen und insbesondere immer wieder mit dem vom Körper ausstrahlenden, inneren Licht.



Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1910
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Schwarze Kreide, Pinsel, Aquarell, Deckfarben, Deckweiß, auf braunem Packpapier
Dimensions44 × 30,5 cm (17 5/16 × 12 in.)
Rahmenaußenmaß 65,5 × 51,6 × 3,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number30996r
SignedM.l. "S.10"
Text
Aufgrund der stilistischen Verwandtschaft darf angenommen werden, dass das Blatt mit mindestens neun weiteren Zeichnungen während einer einzigen Sitzung entstanden ist: fünf Rückenansichten, ebenso viele von vorne. Die schräg in die Tiefe liegende Frau (Inv. 30996r) und der Akt, der sich ein großes Hemd über den Kopf zieht (Inv.31001r) fallen kompositorisch aus der Gruppe heraus.

Wie üblich gegen Ende des Jahres 1910 zieht Schiele den Umriss der Figur mit Deckweiß nach: Er gibt dem Körper Volumen. Zugleich ist das Deckweiß autonomes Ausdrucksmittel. Seine Kurvaturen längs des schräg zurückgelehnten Frauenakts werden malerisch, formal und gegenständlich von den blau-schwarzen Kurvaturen des Strumpfansatzes abgeschlossen: Nichts durchstößt diesen äußeren Kontur, auch nicht der realiter wohl aufgestützte, im Bild aber eskamotierte rechte Arm; auch nicht der linke Unterarm.
Die radial abstehenden Haare werden farblich kontrastreich vom gleichfalls auseinanderfahrenden Deckweiß-Kranz strahlenkranzartig verlängert: das aus den Körpern strömende Licht der Spiritisten.


Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 142.
Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 555
  • Bibliography
  • AK Albertina 1959 a, Nr. 50
  • Mitsch 1960, S. 48
  • AK Albertina 1968, Nr. 146, Abb.
  • AK Salzburg 1968, Nr. 3
  • Mizue 1969
  • Leopold 1972, S. 58
  • Mitsch 1974, Tafel 8
  • Wilson 1980, Tafel 25
  • Jacobi 1980, S. 28
  • Nebehay 1980, Abb. 77
  • Malafarina 1982, Tafel X, Nr. D 21 und Nr. 126a
  • Arnold 1984, S. 63
  • AK Albertina 1990, Nr. 36, Abb.
  • Steiner 1991, S. 45
  • Fischer 1994, S. 74
  • Werkner 1994, S. 55
  • AK Mailand 2000, S. 53, Abb.
  • AK Zug 2001/02, ohne Nr.
  • Kallir 2003, S. 123
  • AK Frankfurt 2003/04, Nr. 48, Abb.
  • AK Amsterdam 2005, S. 75, Abb.
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 63
  • Albertina: Schiele bis Giaccometti , hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.27
  • Provenance
  • 1950 erworben von Paula Weigang (1890-1973), Wien

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    Last edited27.06.2025