Aktselbstbildnis
Egon Schiele
1910
Gegen Ende des Jahres 1910 hat sich Schiele in einer Serie eindrucksvoller Selbstporträts (Inv. 23595 und Inv. 33358) als krankhaft abgemagerter, rachitisch ausgezehrter Körper imaginiert. Trotz seiner überlieferten Schlankheit gehen diese Darstellungen in ihrer knochigen Magerkeit weit über jedes natürliche Maß hinaus: Es sind kranke Leiber, deren Leiden durch das fahle, blutunterlaufene Inkarnat noch unterstrichen wird. Zudem verwendet Schiele oft mehrere Spiegel, um schwer zugängliche Ansichten des eigenen Körpers zu gewinnen. Der Künstler wird zugleich als hässlich und obszön inszeniert.
Rahmenaußenmaß 65,7 × 49,1 × 3,6 cm
Gegen Ende des Jahres 1910 hat sich Schiele in einer Serie an eindrucksvollen Selbstporträts als krankhaft abgemagerter, rachitisch-ausgezehrter Körper imaginiert. Trotz der überlieferten Typisierung des Künstlers als schlank, leptosom, gehen diese Darstellungen in ihrer knochenhaften Magerkeit weit über jedes natürliche Maß hinaus: Es sind kranke Leiber, deren Leiden durch das fahle blutunterlaufene Inkarnat noch unterstrichen wird.
Diese Selbstthematisierungen sind von Zwang und Gepresstheit gekennzeichnet. Das "Aktselbstbildnis" zeigt uns ein abweisendes Gesicht. Diagonal angelegt, durchschneidet der Körper aus der vertikalen Statik des aufrechten Gangs geworfen labil das Blatt.
Die 1910 begonnene Eigenheit, den Akt mit Deckweiß zu umkreisen, steigert die Kontur in ihrem Ausdruck.
gekürzt aus: Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 154.
