Krumau Kapelle
Egon Schiele
1907
Egon Schieles Mutter Marie (1862-1935) wurde in Krumau geboren. Die Stadt hat für Schiele Zeit seines Lebens besondere Bedeutung. Das erste Mal reist Egon Schiele 1904 mit seinem Vater nach Krumau. Er verbringt nicht nur als Kind und Jugendlicher mit seiner Familie Aufenthalte dort, sondern besucht die Stadt auch später mit Freunden. So etwa im Jahr 1910, als er mit seinen Freunden, dem Maler #Anton Peschka (der Schieles Schwester Gertrude heiraten wird) und dem Pantomimen #Dominik Osen dorthin reist. Im darauffolgenden Jahr, 1911, fährt Schiele mit seiner Partnerin #Wally (Walburga) Neuzil nach Krumau. Ihr Vorhaben, sich dort dauerhaft niederzulassen, scheitert. Die beiden werden nach drei Monaten Aufenthalt aus Krumau ausgewiesen. Möglicherweise erregte die „wilde Ehe“ der beiden Anstoß bei der Bevölkerung, dazu kamen auch Beschwerden über Atelierbesuche von Kindern. Im Sommer 1917 besucht Egon Schiele mit seiner Frau Edith das letzte Mal die Geburtsstadt seiner Mutter.
Das Pastell, von Schiele signiert und mit 1907 datiert, gehört zu seinen Frühwerken. Von einem tiefer gelegenen Standpunkt aus zeichnet Schiele die Kirche. Leicht erhöht sehen wir die Längs- und Rückseite des Kirchenbaus sowie dahinter ein zweistöckigen Haus. Bäume, Wiese, Himmel und Gebäude sind in hellen, bunten Farbtönen wiedergegeben.
Anna Hanreich, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 26 (in spanischer Sprache).
