Felderlandschaft (Kreuzberg bei Krumau)
Egon Schiele
1910
Die Landschaftsdarstellung zeigt die im Südosten von Böhmisch-Krumau liegenden Hügel mit der am rechten oberen Rand abgeschnittenen Kapelle des Kreuzberges. Schiele gibt die Felder, die sich wie eine folkloristische Decke über die Hügel ausbreiten, in ihrer spätherbstlichen Färbung wieder. Dunkle Baum- und Buschsilhouetten begleiten an den Feldrainen die Hebungen und Senkungen des Terrains. Schiele interpretiert die Natur als dynamisches Gebilde, indem er die perspektivische Beschleunigung durch eine diagonale Bildanlage unterstreicht.
Ganz anders als bei seinen Menschendarstellungen, malt Schiele die Landschaftsaquarelle und -gouachen wie ein Gemälde völlig aus. Er gliedert sie in klar voneinander getrennte Flächen und Zonen. Die Farboberfläche wird mit dem Pinsel gleichsam modelliert.
Schiele interpretiert die Natur als dynamisches Gebilde, indem er die perspektivische Beschleunigung der diagonalen Bildanlage unterstreicht. Selbst der leicht bewölkte Himmel gehorcht der inneren dekorativen Bildlogik und nicht naturalistischen Prinzipien der Naturnachahmung.
Schiele malte kurz nach diesem Aquarell dieselbe Hügelkette als "Gewitterberg" (Sammlung Weinberg, Zürich) von einem anderen Blickwinkel aus und mit einem engeren Gesichtsfeld.
Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 132.
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