Studie zu "Marfisa"
Eugène Delacroix
um 1849-1850
Die schwungvolle Federskizze ist eine Vorstudie für Delacroix´ 1852 datiertes Gemälde "Marfisa" (Baltimore, The Walters Art Gallery). Die Szene stammt aus dem "Rasenden Roland" (20. Gesang, Stanzen 108-116) von #Ludovico Ariost: Die kriegerische Jungfrau Marfisa, die im Mittelmeerraum auf der Suche nach Abenteuern mit jedem fahrenden Ritter kämpft, trifft, von Marseille kommend, an einer Furt im Wald eine alte verhärmte Frau und nimmt sie auf ihrem Pferd mit. Sie begegnen dem Ritter Graf Pinabel von Mainz und seiner hoffärtigen Freundin, die über die hässliche Alte spottet. Marfisa fordert den Ritter daraufhin zum Kampf mit der Bedingung, dass seine Dame sich ihrer prächtigen Kleider entledigen müsse, wenn er vom Pferd falle. Nachdem Marfisa Pinabel aus dem Sattel gestoßen und eine Begleiterin Schmuck und Gewand abgelegt hat, ziehen Marfisa und die damit ausstaffierte Alte weiter, die außerdem noch deren Zelter erhielt.
Zu dem Gemälde, an dem Delacroix laut seinem Tagebuch ab 1850 gearbeitet hat und das im Mai 1851 fertig war, haben sich insgesamt fünf Studien erhalten. Delacroix´ erste Idee für dieses Sujet stellt eine lavierte Zeichnung in Privatbesitz dar (Robaut 1885, Nr. 1197, Abb.), die den abgeworfene Pinabel und sein davon stürmendes Pferd noch zentraler in die Komposition mit einbezogen zeigt. Seine bereits entkleidete Freundin ist en-face wiedergegeben, ebenso in den Studien in Chicago (The Art Institute), Wien und Lille (Musée des Beaux-Arts). Eine Skizze in Besançon (Musée des Beaux-Arts et d'Archéologie), in der Delacroix nur die junge Frau, aber seitlich stehend und sich nun nach rückwärts umwendend festhält, bereitet die endgültige Bildlösung mit ihr als Rückenakt vor.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 212, Nr. 93.
