Eugène Delacroix, Jakob ringt mit dem Engel (Kompositionsentwurf für das Wandgemälde in der Cha…
Jakob ringt mit dem Engel (Kompositionsentwurf für das Wandgemälde in der Chapelle des Saints-Anges in Saint-Sulpice, Paris)
Eugène Delacroix, Jakob ringt mit dem Engel (Kompositionsentwurf für das Wandgemälde in der Chapelle des Saints-Anges in Saint-Sulpice, Paris), Inv. Nr.: 24514
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Jakob ringt mit dem Engel (Kompositionsentwurf für das Wandgemälde in der Chapelle des Saints-Anges in Saint-Sulpice, Paris)

Eugène Delacroix

1850




Künstler:in (Charenton 1798 - 1863 Paris)
Date1850
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, mit Bleistift in der tympanonartigen Form des Wandbildes eingefasst
Dimensions38 x 30,1 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number24514
Inscribedr.u. mit Bleistift, schlecht lesbar: "Chapeau Manteau / bouclier / armes / billon" (?)
Text

Die Graphische Sammlung Albertina besitzt vier Studien (Inv. 24515, Inv. 24516, Inv. 24517) für das Wandgemälde "Jakobs Kampf mit dem Engel" in der Chapelle des Saints-Anges in Saint-Sulpice in Paris (Sérullaz 1963, S. 149-183; Spector 1967). Delacroix war bereits ab 1847 für Ausstattungsarbeiten in Saint-Sulpice im Gespräch. Man dachte zunächst an die Ausschmückung des Querschiffes, dann der Taufkapelle, für die Delacroix verschiedene Sujets konzipierte. Am 28. April 1849 erhielt der Künstler vom Innenministerium den offiziellen Auftrag. Am 2. Oktober einigte man sich nach langen Diskussionen mit dem Pfarrer und dem Vikar über Themen und Ausführung der Engelskapelle.
Delacroix wählte für die Decke "Der Erzengel Michael besiegt den Teufel", für die Westwand "Die Vertreibung Heliodors aus dem Tempel" und die gegenüberliegende Seite "Jakob kämpft mit dem Engel". Die Arbeiten an diesem Projekt, das sowohl vom inhaltlichen Konzept als auch in der künstlerischen Ausführung den End- und Höhepunkt von Delacroix´ Schaffen darstellt, zogen sich unter Mitarbeit von #Pierre Andrieu und #Louis Boulangé über mehr als ein Jahrzehnt hin. Die Gründe dafür waren anfangs die zähen Verhandlungen und unterschiedlichen Wünsche der Auftraggeber, dann Delacroix´ zunehmend schlechter Gesundheitszustand und vor allem andere wichtige, prestigeträchtige monumentale Dekorationsaufträge wie die Apollo-Galerie im Louvre 1850-1851 und der Salon de la Paix im Hôtel de Ville 1852-1854. Die Arbeiten an der Engelskapelle wurden erst am 29. Juli 1861 abgeschlossen, die Entwürfe dazu waren - den Briefen und Tagebucheintragungen nach - im Wesentlichen aber bereits zwischen Februar und Juni 1850 konzipiert (Delacroix, Journal I, S. 347, 27.2.1856; Delacroix, Correspondance III, S. 20, 19.5.1856).
"Jakobs Kampf mit dem Engel" illustriert einen Text aus dem Buch Genesis 32, 23-33 und schildert die schweren Prüfungen, die Gott einem von ihm Auserwählten auferlegt. Delacroix sah darin vermutlich im übertragenem Sinn eine auf sein Leben projektierbare Metapher, um seiner eigenen Existenz als Künstler, den damit verbundenen Kämpfen und deren Überwindung symbolhaft Ausdruck zu verleihen.
Für das Wandbild schuf Delacroix zahlreiche Entwürfe, sowohl für die ganze Komposition wie auch Einzelstudien zu den Kämpfenden und den Eichen (Spector 1967, Abb. 23-28), die er hauptsächlich im Wald von Sénart bei Champrosay gezeichnet hat. Die früheste Andeutung zu "Jakobs Kampf mit dem Engel" lässt ein Skizzenblatt im Louvre erkennen (Sérullaz, I, Nr. 406). Studien für die gesamte Bildanlage befinden sich in Cambridge, Fogg Art Museum, noch in umgekehrter Seitenrichtung, in der Pierpont Morgan Library in New York, der endgültigen Fassung schon weitgehend entsprechend, und in der Albertina. Diese zarte, skizzenhafte Zeichnung ist im Vergleich zu den anderen erwähnten Entwürfen plastisch indifferent und summarisch aufgefasst. Ein wesentlicher Unterschied zeigt sich auch in der räumlichen Ausbildung: Noch macht der Bildraum einen folienhaften Eindruck und weist nicht die wirkungsvolle Tiefenstaffelung des New Yorker Blattes auf. Kämpfende und Baum, vorerst nur eine Eiche anstelle der zwei im ausgeführten Wandbild, sind auf einer Ebene angelegt und die Landschaft ist noch nicht gegen den Hintergrund zu gegliedert. Im Zusammenhang mit der Gesamtkomposition sind auch drei Ölbilder erwähnenswert: eine Ölskizze in New Yorker Privatbesitz (Johnson, V, Nr. 595, VI, Taf. 65) basiert auf dem Entwurf der Pierpont Morgan Library. Das Gemälde der Österreichischen Galerie in Wien (Koja 1991, S. 50 f.) entstand unter Mitarbeit von Pierre Andrieu, vermutlich nicht als Bozzetto, sondern als Modell entweder für die Präfektur oder für den zuständigen Beamten, vermutlich den Architekten #Le Varcollier, der sich eine Version dieses Sujets für seine Privatsammlung gewünscht hatte (Johnson, III, Nr. S 4). Eine Ölskizze in Prag, Narodni muzeum, gilt als Wiederholung von Pierre Andrieu (Spector 1967, S. 24, Abb. 7; Johnson, V, bei Nr. 602).

 

zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 216, Nr. 94.

Catalogue raisonné
  • Ekelhart 2007, 94
  • Bibliography
  • AK Bremen 1964, Nr. 312
  • Spector 1967, S. 51, Abb. 29
  • Johnson, V, unter Nr. 602
  • Provenance
  • C. G. Boerner, Leipzig
  • 1925 erworben

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    Last edited04.10.2011