Jakob ringt mit dem Engel (Einzelstudie für das Wandgemälde in der Chapelle des Saints-Anges in Saint-Sulpice, Paris)
Eugène Delacroix
1850
Die Zeichnung ist mit feinnervigen, Bewegung simulierenden Linien ausgeführt. Die Arm- und Beinstellung sowie die Kopfhaltung der Kämpfenden zeigen sich der finalen Bildlösung bereits nahe verwandt. Der Engel ist schon mit Flügeln dargestellt und an der Figur Jakobs fällt die fast idente, um die Hüfte wallende Bekleidung und der von der linken Schulter schräg zur Taille verlaufende Riemen auf.
Am linken Bildrand hat Delacroix ein lateinisches Wort notiert, das unterschiedlich interpretiert wurde. Busch führt es als "aminctus" an (AK Bremen 1964, Nr. 314), ohne die Bedeutung zu erklären. Spector (1967) liest es als "acecinctus" und versteht darunter den von Delacroix offensichtlich falsch geschriebenen Begriff "accinctus". Eine mögliche Erklärung dafür sieht Spector in einer Tagebucheintragung vom 10.4.1850 nach einem Besuch des ehemaligen Generalkonsuls von Tanger, Monsieur de Laporte, über den Delacroix schreibt: "Er erzählte mir, daß bei den Römern die Soldaten accincti und die Bürger incincti genannt wurden. Es ist wie in Marokko ..." (Delacroix, Journal I, S. 354 f.).
Es liegt nahe, dass Delacroix diesen Begriff möglicherweise zur Erinnerung auf die Zeichnung schrieb, da er beschloss, Jakob wie einen "Accinctus" mit Waffen und nicht nur mit einem Gürtel wie einen einfachen Bürger auszustatten. Im Wandbild findet sich dann ein Schwert zu seinen Füßen sowie Schild und Speer am rechten unteren Bildrand stillebenartig angeordnet.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 222, Nr. 96.
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