Gerti vor ockerfarbener Draperie
Egon Schiele
1910
Auch wenn der Sitzende Mädchenakt (Inv. 33356) wahrscheinlich nicht wie der Gerti vor ockerfarbener Draperie Schieles Schwester Gerti zeigt, sind die beiden Werke fast kontrapunktisch aufeinander zu beziehen. Dem selbstbewussten Blick über die Schulter antwortet der neckische Blick des Aktes. Beide Male hängt der überlängte Arm weit hinunter. Auch das modische Accessoire der roten Masche verbindet die beiden Darstellungen. Während aber Gerti von einer ockerfarbenen Draperie hinterfangen ist, wird der seiner Sitzgelegenheit beraubte Akt aus allen räumlichen Bezügen herausgelöst. Die signalhaft rot aufleuchtenden Brustwarzen des Aktes, die rot umrandeten Augen und die roten Lippen und Maschenenden vereinen sich zu einem kräftigen Farbakkord. Schiele lenkt die Betrachtung des Akts zu einer voyeuristischen Fixierung auf die erotischen Reize.
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