Egon Schiele, Triestiner Fischerboot, Inv. Nr.: 31028
Triestiner Fischerboot
Egon Schiele, Triestiner Fischerboot, Inv. Nr.: 31028
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Triestiner Fischerboot

Egon Schiele

1912




Nach seiner Haftentlassung reiste Schiele im Sommer 1912 gemeinsam mit Wally Neuzil nach Kärnten und anschließend ein paar Tage alleine nach Triest, wo einige Studien nach Booten im dortigen Hafen entstanden. Auffällig ist, dass die landschaftliche Umgebung fehlt, die alle anderen in Triest entstandenen Gouachen auszeichnet.


Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1912
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Aquarell, Deckfarben auf Strathmore Japanpapier
Dimensions32 × 48,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number31028
Signedr.u. "EGON / SCHIELE / 1912" Cahier Notiz: Rückseite Stempel Arthur Roessler ?
Text

Der technische und stilistische Unterschied zwischen dem Orangen-Stilleben auf einer Decke (Inv. 31026), die sich von ihrem dumpfen Grau in ein sattes Braun mit leuchtenden Streifen verwandelt hat, legt noch einmal die Frage nahe, ob die Gouache des Triestiner Boots nicht doch im Gefängnis – und zwar aus dem Gedächtnis gemalt – entstanden sein könnten. Auch wenn das Fehlen der Beschriftung der anderen Gefängnisblätter auffällt, so verbindet sich doch das Triestiner Schifferboot mit dem Orangen-Stilleben.

 #Arthur Roessler hat in dem 1922 publizierten sogenannten Tagebuch Schieles „Egon Schiele im Gefängnis“ unter 1. Mai die Eintragung vermerkt: „....ein Schiff gemalt, bunt und bauchig, wie sie auf der Adria schaukeln.“ (Roessler 1922, S. 17)

So blind #Comini den Tagebuchaufzeichnungen vertraut hat und so radikal Rudolf Leopold jeglichen Anspruch auf Authentizität verworfen hat, so sehr nehmen wir an, dass #Roessler grundsätzlich die Gedanken und Empfindungen Schieles wiedergegeben und zitiert hat, wie er sie vom Künstler selbst gehört hat.

 Allenfalls ist umgekehrt in Erwägung zu ziehen, dass auch das Stilleben nicht mehr im Gefängnis koloriert wurde. Die anderen Gefängnis-Arbeiten  weisen im Unterschied zum Stilleben nicht die Verwendung von Syndetikon auf, es sind Aquarelle, nicht Gouachen.

Das Fehlen einer entsprechenden Beschriftung auf dem Triestiner Fischerboot könnte auch darauf zurückzuführen sein, dass das Werk jedenfalls nach der den Künstler vom ungewissen Strafausmaß befreienden, wenn auch demütigenden Urteilsverkündung entstanden ist. Auffällig ist, dass auch die landschaftliche Umgebung fehlt, die alle anderen, mit Sicherheit im Mai in Triest entstandenen Gouachen auszeichnet.

Dennoch, auch #Leopolds Hinweis auf den Detailreichtum des Fischerboots, von dem er sich nicht vorstellen kann, dass er aus dem Gedächtnis gemacht werden konnte, ist nicht von der Hand zu weisen (Leopold 1972, S. 248). Demnach wäre dieses Holzboot gemeinsam mit dem „Dampfer und Segelbooten im Hafen von Triest“ (Inv. 31121) während des Sommeraufenthalts 1912 vor Ort am Meer gemacht worden. Schiele hat von Kärnten aus einen Abstecher nach Triest unternommen.


Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 221.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 1207
  • Bibliography
  • Roessler 1922, S. 39
  • AK Wien 1925/26, Nr. 72a
  • AK Albertina 1948, Nr. 170
  • AK Albertina 1959 a, Nr. 72
  • Mitsch 1961, S. 41 (1969, Abb. 39)
  • Comini 1964, Abb. 15
  • AK New York 1965, Nr. 23
  • AK Darmstadt 1967, Nr. 38
  • AK Albertina 1968, Nr. 194, Abb.
  • Leopold 1972, Tafel 110
  • Comini 1973, Abb. 41
  • AK München 1975, Nr. 176, Abb.
  • AK Albertina 1990, Nr. 98, Abb.
  • Kallir 2003, S. 210
  • AK Amsterdam 2005, S. 98, Abb.
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 116
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 75
  • Klaus Albrecht Schröder, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 116-117 (in spanischer Sprache)
  • Provenance
  • seit mindestens 1948 bis 1950 Sammlung Arthur Roessler (1877-1955), Wien
  • 1950 erworben von Arthur Roessler, Wien

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    Last edited11.04.2022