Egon Schiele, Selbstbildnis als Halbakt in schwarzer Jacke, Inv. Nr.: 31159
Selbstbildnis als Halbakt in schwarzer Jacke
Egon Schiele, Selbstbildnis als Halbakt in schwarzer Jacke, Inv. Nr.: 31159
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Selbstbildnis als Halbakt in schwarzer Jacke

Egon Schiele

1911




In dem Selbstbildnis in schwarzer Jacke reibt der Künstler sein Geschlecht. Trostlos und ohne Anzeichen von Erregung blickt die triste Gestalt in den Spiegel. Bei dieser Selbstinszenierung handelt es sich um ein Rollenspiel Schieles, dennoch mutet es fast prophetisch an, dass er sich selbst in diesem ausdrucksstarken Blatt als jenen Lüstling vorweggenommen hat, als den ihn – zu Unrecht – ein Jahr später das Bezirksgericht in St. Pölten verurteilen will.



Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1911
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Aquarell mit proteinhaltigen Bindemitteln auf Strathmore Japanpapier
Dimensions47,9 × 32,1 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number31159
Signedr.o. "EGON / SCHIELE / 1911"
Text

In die Irre ginge, wer meinte, Schieles Selbststilisierung als Heiliger und Seher, als Prophet, Mönch oder Asket, kennt als Kehrseite derselben Medaille des Rollenspiels nur die den Betrachter als Vertreter der bürgerlichen Gesellschaft zurückweisende Fratze. Gewiss, Schieles fratzenhafte Selbstporträts sind zentral für das Beziehungsgeflecht zwischen Bild und Betrachter: zerschneidet es doch die im Blickkontakt grundsätzlich beheimatete Hoffnung auf ein Gespräch und den gelungenen gegenseitigen geistigen Austausch.
Aber so wie sich Schiele hinter der grimassierenden Fratze verbirgt und damit selbst als asozial maskiert, demoliert er im Rollenspiel des Triebhaften, ja dem Trieb tierisch Verfallenen, die Zivilisierung der Gefühle.
Vermutlich in den ersten Monaten des Jahres 1911 zeichnet Schiele das "Selbstbildnis als Halbakt in schwarzer Jacke". Der Künstler reibt bzw. reizt sein Geschlecht, trostlos und ohne Anzeichen der Erregung blickt die triste Gestalt in den Spiegel.

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 162.


 

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 947
  • Bibliography
  • AK Albertina 1948, Nr. 88
  • AK Albertina 1959 a, Nr. 52
  • Comini 1974, Tafel 73 (1976, Tafel 12)
  • Wilson 1980, Tafel 23
  • Whitford 1981, Abb. 85
  • Malafarina 1982, Tafel XII Nr. D 38
  • Arnold 1984, S. 56
  • Avedon 1987, S. 59
  • Gordon 1987, fig 140
  • Hobhouse 1988, Abb. 46
  • AK Albertina 1990, Nr. 80, Abb.
  • Steiner 1991, S. 15
  • Fischer 1994, S. 162
  • Schröder 1995, S. 92
  • AK Wien 1996–1998 ohne Nr.
  • AK London 2001 a, ohne Nr.
  • AK Amsterdam 2005, S. 65, Abb.
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 75
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 105
  • Provenance
  • 1951 erworben aus dem Nachlass Heinrich Benesch (1862-1947), Wien

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    Last edited06.08.2021