Weiße Chrysantheme
Egon Schiele
1910
Die drei Aquarelle einer gelben (Inv. 31246), weißen und roten Chrysantheme (Inv.31244) sind 1910 datiert und von Rudolf Leopold zu Recht als Studien für das gleichnamige Gemälde identifiziert worden (Leopold 1972, Nr. 142). #Otto Kallirs Datierung ins Jahr 1909 ist jedoch insofern verständlich, wenn auch wohl unrichtig, als in dem dekorativen Gemälde noch Anklänge an den Wiener Jugendstil erkennbar sind. Erstaunlicherweise sind demgegenüber die Aquarelle viel freier, fortschrittlicher und sogar der Mitte 1910 näher als dem Anfang des Jahres.
Schiele abstrahiert zwar auch in den Aquarellstudien und gibt keineswegs realistisch die Gesamtheit der Blüte wider. Doch geschieht dies, um die grafische Wirkung der mit dem Pinsel gezeichneten Blütenblätter als expressives Lineament zur Wirkung kommen zu lassen. Die drei Blumen unterscheiden sich nicht nur in der Farbe, sondern auch in der Auffassung der Blüte: Der Zerbrechlichkeit der gelben Chrysantheme steht etwa die kraftstrotzende Fülle der roten gegenüber.
Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 128.
