Egon Schiele, Eduard Kosmack, Inv. Nr.: 31170r
Eduard Kosmack
Egon Schiele, Eduard Kosmack, Inv. Nr.: 31170r
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Eduard Kosmack

Egon Schiele

1910




Eduard Kosmack zeigte schon in jungen Jahren großes Interesse an zeitgenössischer Kunst. Er gründete in Wien einen Verlag, dessen Redaktionsleiter der Kunstkritiker und Feuilletonist Arthur Roessler war. Dieser stellte 1910 auch den Kontakt zwischen Kosmack und dem jungen Egon Schiele her. Im seinem Bildnis charakterisiert Schiele den Wiener Verleger als selbstbewusst und gefasst. Durch das Deckweiß, das die gesamte Figur umfängt, wirkt die Silhouette sehr expressiv, das Deckweiß in den Augäpfeln gibt dem Dargestellten einen intensiven Blick, als ob Schiele auf die Fähigkeit des Hypnotisierens hinweisen wollte, über die Kosmack verfügte.


Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1910
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, Aquarell, Deckweiß, auf braunem Packpapier
Dimensions43 × 30,5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number31170r
InscribedM.r. "KOSMAK" (sic!)
Signedr.u. "S.10"
Text

Das Porträt des Verlegers #Eduard Kosmack in der Albertina diente Schiele nicht als Studie für das Gemälde (Österreichische Galerie Belvedere, Wien). Einzig die Intensität des Blicks, die auf die Fähigkeit #Kosmacks zum Hypnotisieren zurückgeführt wird, ist in der Albertina-Zeichnung vorbereitet .
#Eduard Kosmack wird 1880 in Wien geboren. Schon in jungen Jahren gilt sein Interesse der zeitgenössischen Kunst. #Kosmack gründet in Wien einen eigenen Verlag, zu dessen bekanntesten Publikationen die Zeitschrift "Der Architekt" und die avantgardistische Designzeitschrift "Interieur. Wiener Monatsheft für Wohnugsausstattung und für angewandte Kunst" zählen. Seit 1910 ist #Arthur Roessler Leiter der Verlagsredaktion. #Roessler ist auch derjenige, der 1910 den Kontakt zwischen #Eduard Kosmack und dem jungen Egon Schiele herstellt. Gemeinsam planen Schiele und #Kosmack die Publikation einer Mappe mit erotischen Zeichnungen, es kommt allerdings nie zur Realisierung des Projektes. Nach dem Ersten Weltkrieg verliert #Kosmack sein gesamtes Vermögen. Er arbeitet im Wiener Kunsthandel #Gustav Nebehay und übersiedelt später nach München, wo er 1947 stirbt.

Das konventionelle Sitzmotiv - ausnahmsweise unter Ausmalung der Fauteuillehne - und die Dreiviertelansicht ersetzte Schiele im Gemälde durch eine starre Frontalität: Anstatt des Außendrucks, der im Gemälde den Umriss des Verlegers wie von unsichtbaren Kräften zusammengepresst erscheinen lässt, kennzeichnet Schiele in der Gouache den dreißigjährigen Verleger als selbstbewusst und gefasst. Die starke Silhouettierung, die schon durch das schwarze Aquarell gegeben war, verstärkt der Künstler, indem er die Figur mit Deckweiß einfasst, das als expressive Höhung auch noch in den suggestiv modellierten Augäpfeln aufleuchtet.

Im Unterschied zu den anderen, lukrativen Auftraggebern von Bildnissen, entpuppte sich #Kosmack als nachlässiger Zahler. Das Kosmack-Porträt ist eines von acht Bildnissen, die Schiele 1910 geschaffen hat; darunter allein sechs beauftragte. Insgesamt eine beträchtliche Zahl für eine Kunstgattung, die in den heroischen Jahren der klassischen Moderne in Frankreich und Deutschland aufgrund ihrer die Autonomie der Kunst gefährdenden Fremdbestimmung an ihr Ende gekommen schien. Erst in den 20er Jahren erfreut sich der Porträtauftrag auch in der Avantgarde der Neuen Sachlichkeit wieder einer größeren Beliebtheit.

Jane Kallir hat darauf hingewiesen, wie sehr diese im internationalen Maßstab der Avantgarden späte Blüte des Porträts in Wien auf die Abhängigkeit des Künstlers von persönlichen Beziehungen und Mäzenen zurückzuführen ist .

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 96-98.


 

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 637
  • Bibliography
  • AK Albertina 1948, Nr. 13
  • AK Zürich 1958, Nr. 35
  • Benesch 1958, nach S. 32
  • AK Albertina 1959 a, Nr. 51
  • Mitsch 1960, S. 49
  • Mitsch 1961, S. 27 (1969, Abb. 6)
  • AK Brüssel 1961, S. 27, Abb.
  • AK Albertina 1968, Nr. 154, Abb.
  • Koschatzky 1968, Nr. 7
  • Comini 1974, Tafel 62
  • AK Albertina 1974/75, Nr. 122
  • Nebehay 1989, Abb. 96
  • AK Albertina 1990, Nr. 41
  • AK Mailand 2000, S. 62, Abb.
  • AK Amsterdam 2005, S. 37, Abb.
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 35
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 52
  • Provenance
  • seit mind. 1922 Heinrich Benesch (1862-1947), Wien
  • Otto Benesch (1896-1964), Wien
  • 1951 Albertina, Wien (erworben von Otto Benesch, Wien)

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/21977/eduard-kosmackImage Request
    Last edited21.09.2023