Eduard Kosmack
Egon Schiele
1910
Das Porträt des Verlegers #Eduard Kosmack in der Albertina diente Schiele nicht als Studie für das Gemälde (Österreichische Galerie Belvedere, Wien). Einzig die Intensität des Blicks, die auf die Fähigkeit #Kosmacks zum Hypnotisieren zurückgeführt wird, ist in der Albertina-Zeichnung vorbereitet .
#Eduard Kosmack wird 1880 in Wien geboren. Schon in jungen Jahren gilt sein Interesse der zeitgenössischen Kunst. #Kosmack gründet in Wien einen eigenen Verlag, zu dessen bekanntesten Publikationen die Zeitschrift "Der Architekt" und die avantgardistische Designzeitschrift "Interieur. Wiener Monatsheft für Wohnugsausstattung und für angewandte Kunst" zählen. Seit 1910 ist #Arthur Roessler Leiter der Verlagsredaktion. #Roessler ist auch derjenige, der 1910 den Kontakt zwischen #Eduard Kosmack und dem jungen Egon Schiele herstellt. Gemeinsam planen Schiele und #Kosmack die Publikation einer Mappe mit erotischen Zeichnungen, es kommt allerdings nie zur Realisierung des Projektes. Nach dem Ersten Weltkrieg verliert #Kosmack sein gesamtes Vermögen. Er arbeitet im Wiener Kunsthandel #Gustav Nebehay und übersiedelt später nach München, wo er 1947 stirbt.
Das konventionelle Sitzmotiv - ausnahmsweise unter Ausmalung der Fauteuillehne - und die Dreiviertelansicht ersetzte Schiele im Gemälde durch eine starre Frontalität: Anstatt des Außendrucks, der im Gemälde den Umriss des Verlegers wie von unsichtbaren Kräften zusammengepresst erscheinen lässt, kennzeichnet Schiele in der Gouache den dreißigjährigen Verleger als selbstbewusst und gefasst. Die starke Silhouettierung, die schon durch das schwarze Aquarell gegeben war, verstärkt der Künstler, indem er die Figur mit Deckweiß einfasst, das als expressive Höhung auch noch in den suggestiv modellierten Augäpfeln aufleuchtet.
Im Unterschied zu den anderen, lukrativen Auftraggebern von Bildnissen, entpuppte sich #Kosmack als nachlässiger Zahler. Das Kosmack-Porträt ist eines von acht Bildnissen, die Schiele 1910 geschaffen hat; darunter allein sechs beauftragte. Insgesamt eine beträchtliche Zahl für eine Kunstgattung, die in den heroischen Jahren der klassischen Moderne in Frankreich und Deutschland aufgrund ihrer die Autonomie der Kunst gefährdenden Fremdbestimmung an ihr Ende gekommen schien. Erst in den 20er Jahren erfreut sich der Porträtauftrag auch in der Avantgarde der Neuen Sachlichkeit wieder einer größeren Beliebtheit.
Jane Kallir hat darauf hingewiesen, wie sehr diese im internationalen Maßstab der Avantgarden späte Blüte des Porträts in Wien auf die Abhängigkeit des Künstlers von persönlichen Beziehungen und Mäzenen zurückzuführen ist .
Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 96-98.
