Ein Löwe im Stall
Jean-Honoré Fragonard
1770er Jahre
Künstler aller Epochen waren an der Darstellung von Löwen, ob als Herrschafts- oder Evangelistensymbol, als Heiligenattribut oder als Tier der Fabel interessiert. Fragonard bot sich die Gelegenheit, Löwen in der königlichen Menagerie von Versailles oder im Jardin des Plantes nach der Natur zu zeichnen. Eine dieser Skizzen (Kupferstichkabinett, Berlin) diente als Vorlage für die Pinselzeichnung der Albertina. Die Naturstudie wird hier zum zentralen Motiv einer kleinen, bildhaft komponierten Szene.
Künstler aller Epochen waren an der Darstellung von Löwen, ob als Herrschafts- oder Evangelistensymbol, als Heiligenattribut oder als Tier der Fabel, interessiert. Eindringliche Studien nach der Natur kennt man von Albrecht Dürer (Berlin, Kupferstichkabinett und Wien, Albertina) oder Rembrandt (Paris, Musée du Louvre, Département des Arts graphiques), die die imponierende Majestät und Kraft dieses Tieres mit sparsamen Mitteln wie Silberstift oder Feder kongenial zum Ausdruck gebracht haben. Auch Fragonard bot sich offensichtlich die Gelegenheit Löwen nach der Natur zu zeichnen, sei es in der königlichen Menagerie von Versailles oder im Jardin des Plantes (Wilhelm op. cit.). Ein Skizzenblatt im Berliner Kupferstichkabinett (Ananoff op. cit., I, Nr. 290, Abb. 506, Bd. III) zeigt verschiedene Detailstudien eines schlafenden Löwen, ein weiteres, ebenfalls in Berlin, gibt einen liegenden sowie einen von rechts nach links schreitenden wieder. Diesen übernahm Fragonard in ziemlich identer Haltung als Vorlage für die Pinselzeichnung der Albertina. Die Naturstudie wird nun das Hauptelement einer komponierten, kleinen bildhaften Szene: Der Löwe, eingesperrt in einen mit Trog und Heu ausgestatteten, stallartigen Raum, fixiert ein Fenster, durch dessen Stäbe sich die Hand eines unvorsichtigen Zuschauers geschoben hat. Diese Öffnung bildet zugleich die einzige Lichtquelle der Komposition, die das Tier aus der Dunkelheit seines Verlieses hell heraustreten lässt.
Die beiden Tierdarstellungen der Albertina bestechen durch die freie, lockere Pinselführung und durch die mit einem Minimum an materiellem Aufwand erzielte Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Auf beeindruckende Weise erzeugt Fragonard mit Hilfe des Papiertons und unterschiedlich dichten Braunlavierungen strahlende Licht- und tiefe Schattenwirkungen; Qualitäten, die vor allem seine Arbeiten der 1770er-Jahre in ähnlich hohem Maße auszeichnen.
Künstler aller Epochen waren an der Darstellung von Löwen, ob als Herrschafts- oder Evangelistensymbol, als Heiligenattribut oder als Tier der Fabel, interessiert. Eindringliche Studien nach der Natur kennt man von Albrecht Dürer (Berlin, Kupferstichkabinett und Wien, Albertina) oder Rembrandt (Paris, Musée du Louvre, Département des Arts graphiques), die die imponierende Majestät und Kraft dieses Tieres mit sparsamen Mitteln wie Silberstift oder Feder kongenial zum Ausdruck gebracht haben. Auch Fragonard bot sich offensichtlich die Gelegenheit Löwen nach der Natur zu zeichnen, sei es in der königlichen Menagerie von Versailles oder im Jardin des Plantes (Wilhelm op. cit.). Ein Skizzenblatt im Berliner Kupferstichkabinett (Ananoff op. cit., I, Nr. 290, Abb. 506, Bd. III) zeigt verschiedene Detailstudien eines schlafenden Löwen, ein weiteres, ebenfalls in Berlin, gibt einen liegenden sowie einen von rechts nach links schreitenden wieder. Diesen übernahm Fragonard in ziemlich identer Haltung als Vorlage für die Pinselzeichnung der Albertina. Die Naturstudie wird nun das Hauptelement einer komponierten, kleinen bildhaften Szene: Der Löwe, eingesperrt in einen mit Trog und Heu ausgestatteten, stallartigen Raum, fixiert ein Fenster, durch dessen Stäbe sich die Hand eines unvorsichtigen Zuschauers geschoben hat. Diese Öffnung bildet zugleich die einzige Lichtquelle der Komposition, die das Tier aus der Dunkelheit seines Verlieses hell heraustreten lässt.
Klaus Albrecht Schröder und Heinz Widauer (Hg.), Von Poussin bis David, Wien, Albertina, 2017, S. 138, Nr. 53.
