Jean-Honoré Fragonard, Der Tod eines Eremiten (Diogenes?), Inv. Nr.: 12730
Der Tod eines Eremiten (Diogenes?)
Jean-Honoré Fragonard, Der Tod eines Eremiten (Diogenes?), Inv. Nr.: 12730
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Der Tod eines Eremiten (Diogenes?)

Jean-Honoré Fragonard




Künstler:in (Grasse 1732 - 1806 Paris)
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesPinsel, Bister, laviert, über schwarzer Kreidevorzeichnung
Dimensions33,9 x 44,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number12730
Inscribedl.o. "76"
Signedl.u. Albert von Sachsen-Teschen
Text

Die Zeichnung stellt einen leblos liegenden, bis auf ein Lendentuch nackten, alten Mann dar, der in einer Felsnische von einer Gruppe von Männern aufgefunden wird. Überragt wird diese Szene von einem, auf einem kleinen Felsplateau neben einem Tonkrug sitzenden Hund, der um seinen toten Herrn heult. Der Inhalt der Szene läßt sich nicht eindeutig klären: Bei dem Toten, der in der Literatur allgemein als Eremit bezeichnet wurde, könnte es sich nach Jennifer Montagu um den griechischen Philosophen Diogenes von Sinope handeln, der ein Leben in Askese und äußerster Bedürfnislosigkeit führte, Selbstmord beging, indem er freiwillig zu atmen aufhörte und später von seinen Freunden gefunden wurde (zit.in:AK Paris,New York a.a.O.). Für diese Identifizierung spricht vor allem der Hund, mit dem er häufig dargestellt wird (z.B. Caesar van Everdingen, Diogenes sucht mit der Laterne einen Menschen, Den Haag, Mauritshaus) und dessen Marmorbild angeblich auch sein Grabmal geschmückt haben soll (Pausanias 2,2,4).

 

Fragonard hat für die Darstellung einen etwas ungewöhnlichen Blickwinkel, nämlich eine leichte Froschperspektive, gewählt, wodurch dem Betrachter sowohl Höhe wie auch Einsamkeit vermittelt werden. Dazu tragen auch die nur in Halbfigur zwischen den Felsen auftauchenden Männer sowie die erhöhte Position des Hundes bei, die durch den hochgestreckten Kopf eine nochmalige Steigerung erfährt.

 

Die Zeichnung besticht durch breit angelegte, nuancierte Lavierungen und eine großzügige, meist flüchtige Pinselführung, die vor allem in den Arbeiten Fragonards der späten siebziger Jahre zu finden ist. Einzig die Männergruppe wird mit kleinteiligen, nervösen Kreidestrichen skizziert, wodurch  ihre Unruhe und Aufregung kongenial zum Ausdruck kommen. Im Gegensatz dazu ist der Körper des Eremiten mit präzisen, souverän geführten Linien umrissen, die Festigkeit verleihgen und den Eindruck von Ruhe und Endgültigkeit vermitteln.

 

 

Christine Ekelhart in: AK A Quintessence of Drawing, Masterworks from the Albertina, New York, Solomon R.Guggenheim Museum, 1997, Nr. 69. (in Englischer Sprache)

 

Bibliography
  • Bern 1954, Nr.129
  • Ananoff IV, 1970, Nr. 2485
  • Paris, New York 1987, Nr.249
  • New York, Guggenheim 1997, Nr.69
  • Berlin, Bilbao, Wien 1998/99, Nr.35
  • AK Fragonard, Poesie & Leidenschaft (Bearb. Astrid Reuter), Karsruhe, Kunsthalle 2013/14, Nr. 50
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/34618/der-tod-eines-eremiten-diogenesImage Request
    Last edited08.07.2021

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