Egon Schiele, Drei Gassenbuben, Inv. Nr.: 31153r
Drei Gassenbuben
Egon Schiele, Drei Gassenbuben, Inv. Nr.: 31153r
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Drei Gassenbuben

Egon Schiele

1910




Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1910
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift auf braunem Packpapier
Dimensions44,7 x 30,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number31153r
Signedr.u. "S.10."
Text

Das Meisterwerk an unterschiedlicher Charakterisierungskunst ist zweifellos die Bleistiftzeichnung der so genannten „Drei Gassenbuben“. Trotz der strengen Komposition erzielt Schiele mit dieser Gruppe eine große Natürlichkeit. Nicht allein die Schilderung der so verschiedenen Charaktere der drei Gassenbuben steht im Dienste eines lebensechten Realismus; auch der unruhige zackige Zeichenstil Schieles fällt weniger als Stilcharakteristikum auf denn als Kennzeichnung der verlotterten, ärmlichen Kleidung. Selbst die Hände werden unter dem Stilzwang dieser Zeit zu schwieligen Proletarierhänden. Die Differenzierung der Druckstärke des weichen Bleistifts ersetzt bei diesem Blatt die zeichnerische Aquarellierung mit dem Pinsel.

 

Es lohnt, Schieles Standardisierung der Körperhaltungen und Gesten zu vergegenwärtigen, um unsere Vorstellung von der Selbstbestimmung der Modelle zu korrigieren. Was im einzelnen Fall wie eine natürliche Körperhaltung wirkt, stellt sich als ein neues Vokabular dar. Nichtsdestoweniger ist der körpersprachliche Ausdruck von Schiele inszeniert und erfunden worden. Er wird vom Künstler dem Modell diktiert. Er ist nicht der natürliche Abdruck des Lebens.

Der hinter diesem Formalismus stehende hohe Abstraktionsgrad der Zeichnungen und Aquarelle wird jedoch angesichts der Individualisierung der Körper und Gesichter kaum wahrgenommen.

 

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 110-112.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 461
  • Bibliography
  • Tietze 1919, Abb. gegenüber S. 97
  • AK Albertina 1948, Nr. 59
  • AK Düsseldorf 1959, Nr. 163
  • AK Albertina 1959 a, Nr. 43
  • AK Albertina 1968, Nr. 158, Abb.
  • Koschatzky 1968, Nr. 8
  • Mitsch 1969, Abb. 4 (1974, Tafel 10)
  • Leopold 1972, Tafel 49
  • AK Kopenhagen 1973, Nr. 20
  • Schmied 1979, Abb. 21
  • AK Genf 1980, Nr. 20, Abb.
  • Whitford 1981, Abb. 40
  • Malafarina 1982, Nr. D 17
  • Arnold 1984, S. 72
  • AK Berlin 1986, Nr. 20, Abb.
  • AK Albertina 1990, Nr. 38, Abb.
  • Steiner 1991, S. 42
  • Schröder 1995, S. 90
  • AK Bonn / Albertina Wien, 1996, S. 176, Abb.
  • Artinger 1999, S. 6
  • AK Mailand 2000, S. 66, Abb.
  • AK Zug 2001/02, ohne Nr.
  • Kallir 2003, S. 127
  • AK Albertina 2003/04 a, Nr. 94, Abb.
  • AK Amsterdam 2005, S. 51, Abb.
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 45
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 27
  • Klaus Albrecht Schröder, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 59 (in spanischer Sprache)
  • AK Wien/Los Angeles 2012, Nr. 140
  • AK: Kunst aus Österreich, hrsg. von der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, München: Prestel 1996, S.176 Abb.
  • Provenance
  • seit mindestens 1919 Sammlung Benesch, Wien
  • 1951 erworben aus dem Nachlass Heinrich Benesch (1862-1947), Wien

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    Last edited17.02.2022