Anselm Kiefer, Wege der Weltweisheit: die Hermannsschlacht, Inv. Nr.: DG2005DL1
Wege der Weltweisheit: die Hermannsschlacht
Anselm Kiefer, Wege der Weltweisheit: die Hermannsschlacht, Inv. Nr.: DG2005DL1
Credit: ALBERTINA, Wien – Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft Image: ALBERTINA, Wien Copyright: © Anselm Kiefer

Wege der Weltweisheit: die Hermannsschlacht

Anselm Kiefer

1993




Künstler:in (Deutschland, geboren 1945)
Date1993
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesHolzschnitt, Acryl, und Schellack auf Papier, Collage auf Leinwand
Dimensions334 × 390 × 4,5 cm

CreditALBERTINA, Wien – Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft
Object numberDG2005DL1
InscribedMitte unten: "Wege der Weltweisheit: die Hermannsschlacht"
Text

Die monumentale Arbeit ist aus einer vielteiligen Holzschnittserie aus Köpfen, Büsten oder Halbfiguren mit 33 Porträts von Repräsentanten der deutschen Geschichte zusammengefügt. Die Einzelteile sind durch Überarbeitung mit Acrylfarbe und Schellack optisch verklammert. Der Schellack verleiht ihr mit seinem Farbton den Anschein des Vergilbens und Alterns, materialisiert ihren historistischen Aspekt. Das Werk gehört zum gleichen Themenkreis wie der Holzschnitt "Der Rhein" (siehe Inv. DG2000/57). Trotz der Fülle an Einzelbildern entsteht kein fundierter oder logisch geordneter Überblick über die jüngere deutsche Kulturgeschichte, sondern erzeugt einen Geistesspiegel des deutschen Nationalbewusstseins von #Klopstock bis #Heidegger. Statt #Goethe und #Schiller, #Büchner oder #Nietzsche sind der alte #Blücher, #Graf Moltke, #Bismarck, #Kaiser Wilhelm oder #Horst Wessel vertreten. Diese ironische Brechung wird durch die Übernahme stilistisch unterschiedlicher Charakteristika der einzelnen historischen Bildvorlagen unterstützt.
Neben Kiefers konsequenter Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte seit dem Ende der 1960er-Jahre war das 100-jährige Jubiläum der Fertigstellung des Hermann-Denkmals bei Detmold (1875) Anlass, die Arbeit an einer größeren Werkgruppe, zu der "Wege der Weltweisheit: Die Hermannsschlacht" gehört, in Angriff zu nehmen (Arasse 2001, S. 124-128). Kiefer führt die ideologische Instrumentierung der so genannten Schlacht im Teutoburger Wald mit der Idee einer Genealogie des deutschen Geistesheldentums zusammen.
Die einzelnen Holzschnitte basieren auf den 30 Prototypen zum Buchprojekt "Die Hermannsschlacht" von 1977. In unserer Arbeit kommen die Bilder von #Jean Paul, #Kleist und Klopstock je zweimal vor, während andere, wie etwa #Clausewitz oder #Stefan George, fehlen. Davor waren die beiden historischen Ausgangsideen - Hermannschlacht und Geisteshelden - jeweils in dem #"Varus" - dem römischen Gegner des #Arminius-Hermann - betitelten Gemälde (van Abbe Museum, Eindhoven) und den stammbaumartig angelegten Porträts großer Deutscher in "Wege der Weltweisheit" (Sammlung Sanders, Amsterdam) 1976 erstmals behandelt worden. Während die Idee der Ruhmeshalle bei "Varus" in Form des "deutschen Waldes" auftritt, in dem jeder Baum für einen Kulturheros steht, wird sie in der Holzschnittcollage als Holzmaserung vergegenwärtigt, die sich sowohl als Bretterwand wie auch als Baumstammgruppe, sowohl als "tot" wie "lebendig", interpretieren lässt.
Diese Sinnebene wird von konzentrischen Kreisen überlagert, die an Jahresringe im Querschnitt eines Baumstammes erinnern. Sie halten den Personenkreis der Kulturhelden zusammen und fassen ein über die Porträts gemaltes Feuer ein. An der Basis von Baumstämmen lodernd, verbrennt es nicht nur die "Ruhmeshalle", wie in manchen Versionen der "Rhein"-Serie, sondern bildet auch die Opferstelle, in der sich Brunhilde nach dem Sprung mit Siegfrieds Pferd Grane im Tod mit Siegfried verbindet. Gleichzeitig erinnert es an die konzentrischen Ringe der "Donauquelle", die als Ursprung der Kunst, aber auch als Erinnerung an den Ursprung des Götterdramas der Nibelungensage in Werken von Kiefer auftauchen. Ebenso steckt darin das Motiv der Palette - statt der Farbnäpfe wird das Rund von den Porträtbildern rhythmisiert -, mit dem Kiefer bereits 1974 den Größenwahn in Bildern wie "Malerei der verbrannten Erde" oder "Nero malt" thematisiert hatte.

Marietta Mautner Markhof, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 277.

Bibliography
  • Christie's London, Postwar and Contemporary Art, 20.6.2007, Nr. 90
  • AK Albertina 2007/08 a, S. 89, Nr. 48
  • Schröder 2008, Nr. 277 (M. Mautner Markhof)

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/247255/wege-der-weltweisheit-die-hermannsschlachtImage Request
    Last edited03.07.2023

    Anselm Kiefer, Der Rhein, Inv. Nr.: DG2000/57
    Anselm Kiefer
    1993
    Anselm Kiefer, Woglinde, Inv. Nr.: DG2016/30
    Anselm Kiefer
    1982-2013
    Anselm Kiefer, A.E.I.O.U., Inv. Nr.: GE391DL
    Anselm Kiefer
    2011
    Anselm Kiefer, Wurzel Jesse, Inv. Nr.: GE325DL
    Anselm Kiefer
    2008
    Anselm Kiefer, Claudia Quinta, Inv. Nr.: EDLDB5446
    Anselm Kiefer
    2005
    Anselm Kiefer, Horologium, Inv. Nr.: EDLSB4896/1
    Anselm Kiefer
    2003
    Anselm Kiefer, Für Paul Celan, Inv. Nr.: EDLDB5336
    Anselm Kiefer
    2005
    Anselm Kiefer, Merkaba, Inv. Nr.: GE177DL
    Anselm Kiefer
    2006
    Anselm Kiefer, San Loretto, Inv. Nr.: GE381DL
    Anselm Kiefer
    2008