Anselm Kiefer, San Loretto, Inv. Nr.: GE381DL
San Loretto
Anselm Kiefer, San Loretto, Inv. Nr.: GE381DL
Credit: ALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner Image: ALBERTINA, Wien Copyright: © Anselm Kiefer

San Loretto

Anselm Kiefer

2008




2007 zieht Anselm Kiefer von Südfrankreich nach Paris und beginnt dort an einer Werkserie mit dem Titel „San Loretto“ zu arbeiten. Der Titel bezieht sich auf das berühmte Haus, in dem der Legende nach die Jungfrau Maria geboren wurde und das angeblich im 13. Jahrhundert auf wundersame Weise aus Nazareth im Heiligen Land nach Kroatien und schließlich ins italienische Loreto gelangte.

Die gewaltigen Schwingen heben mit überirdischer Kraft das Haus in die Lüfte und versetzen es von einem Ort an den anderen. Dieser Vorgang wird als gewaltiger geistig-dynamischer Akt interpretiert, der jede einzelne Stelle von Kiefers Werk in Bewegung versetzt.

In dieser Zeit intensiviert Anselm Kiefer die Verwendung von Licht und Farbe. Seine Malerei wird energiegeladener und zeigt eine Steigerung der Farbwerte, sowohl in ihrer Textur als auch in Transparenz und Tiefe.



Künstler:in (Deutschland, geboren 1945)
Date2008
Object TypeGemälde
Object typePainting
Materials / TechniquesMischtechnik auf Leinwand
Dimensions190 × 330 cm
CreditALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner
Object numberGE381DL
Text

Anselm Kiefer beschäftigt sich in seinen Bildern und Plastiken nicht nur mit literarischen Stoffen (siehe Inv. GE160DL) oder mit alten Mythen (siehe Inv. GE177DL), er setzt sich auch immer wieder mit religiösen Themen auseinander. So auch diese beiden Werke aus der Sammlung Batliner, die beide 2008 entstanden sind. Trägt das eine den Titel Wurzel Jesse (Inv. GE325DL), so heißt das andere San Loretto. Letzteres spielt auf die uralte christliche Legende an, gemäß der das Haus Mariens von Engeln aus Palästina nach Italien, an einen Ort namens Loreto, getragen worden sei. Das kleine umbrische Dorf wurde in der Folge zu einem der meist besuchten Marienwallfahrtsorte, sodass im 17. Jahrhundert um das einfache Ziegelhaus eine große, prächtig ausgestattete Kirche errichtet werden konnte. Nachbildungen dieser Casa santa gibt es auch in Österreich und in der Schweiz, und auch diese Sanktuarien heißen oft Loreto oder Loretto.

Sichtbar von der Casa santa ist auf Kiefers Gemälde nichts. Wie so oft bei diesem Künstler bleibt der Bildinhalt ein Mysterium. Was auf die alte Legende anspielt, lässt sich höchstens erraten. So könnte die Tatsache, dass die Malmaterie wie von einem heftigen Windstoss aufgewühlt zu sein scheint, auf die wundersame Versetzung der heiligen Stätte anspielen.

Auf uralte Formen der Marienverehrung spielt auch das zweite Bild an. Obschon hier ganz konkrete Gegenstände wie ein echter Strauch samt Wurzeln und drei im Raum schwebende Kinderkleider aus Bleiblech zu erkennen sind, fällt eine Deutung erneut schwer. Sicher ist nur, dass sich auch hier unter der krustigen, aus mehreren Sedimenten bestehenden Bildoberfläche ein Geheimnis verbirgt. Zu Recht spricht Wieland Schmied in Bezug auf diesen Künstler von der „Präsenz des Abwesenden“. Kiefer gehe „im Sinne der kabbalistischen Lehre vor, wenn er das Eigentliche in immer neuen Einkleidungen verhüllt und das, was er zeigen will, konsequent verdunkelt.“ Der Künstler selber habe dies einmal so ausgedrückt: „Die ganze Malerei, aber auch die Literatur und alles, was damit zusammenhängt, ist ja immer nur ein Herumgehen um etwas Unsagbares, um ein Schwarzes Loch oder um einen Krater, dessen Zentrum man nicht betreten kann.“[1]

[1] Wieland Schmied, „Bleierne Meere und kosmische Räume – am Anfang war die Unendlichkeit. Gedanken über das Werk Anselm Kiefers“, im Ausst.-Kat. Anselm Kiefer – am Anfang, Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg, 2003, S. 33.


R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art Foundation. Neuerwerbungen 2005-2011 (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2012), Vaduz 2012, S. 148, Kat. 44.

Catalogue raisonné
  • Koella 2012, 44
  • Bibliography
  • R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art Foundation. Neuerwerbungen 2005-2011 (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2012), Vaduz 2012, S. 148 f., Kat. 44, Abb. S. 149
  • Online resources
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    Last edited20.02.2024

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