Die Spielkarten
Pablo Picasso
1912
Nach der Trennung von seiner langjährigen Freundin Fernande Olivier verbringt Picasso ab Mai 1912 einige Wochen in Céret, einem kleinen Dorf in den Pyrenäen. Das Stillleben zeigt noch Anklänge an den analytischen Kubismus, größtenteils aber bereits Elemente wie die nahezu collageartige Darstellung der Spielkarten und des Kerzenständers, die auf die kommende Entwicklung verweisen: In der Phase des synthetischen Kubismus ab 1912 werden im Unterschied zu Picassos experimentell bestimmter Werkphase des analytischen Kubismus die Bildgegenstände nicht mehr in Facetten aufgesplittert, sondern bleiben in ihren Grundformen erkennbar. Versatzstückartige gegenständliche wie abstrakte Teile verbinden sich zu einem Ensemble, einer „Synthese“. Die Bildkompositionen weisen zunehmend klarere Strukturen und Ordnungen auf.
Starting in May 1912, Picasso spent several weeks in Céret, a small village in the Pyrenees, following the separation from Fernande Olivier, his love of many years. Although this still life continues to echo the principles of Analytic Cubism, it already largely exhibits elements announcing a new development in his art, such as the playing cards and the candleholder, which almost resemble a collage: contrary to Picasso’s experimental period of Analytic Cubism, during the phase of Synthetic Cubism, which began in 1912, objects were no longer split up into facets, but remained recognisable in their basic forms. Picasso combined concrete and abstract elements in the manner of set-pieces to form an ensemble, a “synthesis”, while his compositions became increasingly clearer and more distinctly organised in terms of structure.
Rahmenaußenmaß 46,5 × 32,5 × 6 cm
Nach der Trennung von seiner langjährigen Lebensgefährtin Fernande Olivier setzte sich Picasso im Mai 1912 nach Céret ab, einem Dörfchen in den östlichen Pyrenäen, wo er sich schon im Jahr zuvor aufgehalten hatte. Die Wochen, die er dort verbrachte, waren in künstlerischer Hinsicht eine äußerst fruchtbare Zeit. Schrittweise fand Picasso vom analytischen zum synthetischen Kubismus, dessen wichtigster Vertreter später freilich ein anderer Spanier werden sollte: Juan Gris (Inv. DL309).
Das vorliegende Bild Les cartes à jouer ist zwar, wie die plastischen Modellierungen und die dunkeltonige, ganz auf warme Rot- und Brauntöne abgestimmte Palette zeigen, noch ganz dem analytischen Kubismus verhaftet. Doch gibt es darin schon Elemente, die auf die kommende Entwickung verweisen, so vor allem die flächige, fast collageartige Darstellung der Spielkarten und der Einbezug des Wortes Céret in die Komposition. Wenig später sollten Picasso und Braque die Collage in ihre Kunst einführen und sie zu einem wichtigen Gestaltungsmittel des synthetischen Kubismus machen. Ziel dieser neuen gestalterischen Methode war es, die Malerei wieder stärker dem Handwerk anzunähern und die Kunst noch weiter zu entpersonalisieren. Wohl aus demselben Grund verzichteten Picasso und Braque auch darauf, diese Werke auf der Vorderseite zu signieren.
Das zentrale Motiv auf dem vorliegenden Bild stellt wohl nicht wie bisher angenommen ein Weinglas dar, sondern einen Kerzenständer aus Messing mit ausgeprägtem Profil. Wie Vergleiche belegen, kommen Kerzenständer auf kubistischen Bildern von Picasso oft vor.
Im Sommer 1913 hielt sich Picasso erneut in Céret auf. Wie gewisse Experten glauben, könnte das vorliegende Bild deshalb auch in diesem Jahr entstanden sein.1
1 In der Galerie Kahnweiler, Paris, wurde das Bild tatsächlich in das Jahr 1913 datiert, und auch Christian Zervos deutet in seinem Werkkatalog an, dass es möglicherweise erst 1913 entstanden sei.
