Pablo Picasso, Sylvette, Inv. Nr.: GE102DL
Sylvette
Pablo Picasso, Sylvette, Inv. Nr.: GE102DL
Credit: ALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner Image: ALBERTINA, Wien Copyright: © Succession Picasso / Bildrecht Wien, 2026

Sylvette

Pablo Picasso

1. Mai 1954




Zwischen 1953 und 1954 malt Picasso zahlreiche Porträts von Sylvette David, die mit ihrem englischen Verlobten, dem Bildhauer Tobias Jellinek, zu ihrer Mutter nach Vallauris gezogen ist. Die hübsche junge Frau mit der markanten Pferdeschwanzfrisur fasziniert Picasso vor allem, weil sie der Filmschauspielerin Brigitte Bardot ähnlich sieht. Tobias Jellinek entwirft ausgefallene Stühle, die „aus eisernen Rahmen, die mit Schnüren verbunden wurden, bestanden. Sie waren so unpraktisch, dass Picasso davon hell begeistert war“, erinnert sich Picassos damalige Lebensgefährtin, Françoise Gilot. Einen davon hat Picasso in dieser Darstellung festgehalten. Die meisten Porträts der Sylvette-Serie führt Picasso in Grisailletechnik aus, einer Malerei in Graustufen, derer er sich schon bei seinen monochromen Antikriegsbildern wie Guernica bedient hat.



Between 1953 and 1954, Picasso painted numerous portraits of Sylvette David, who had moved to her mother’s in Vallauris with her English fiancé, the sculptor Tobias Jellinek. The pretty young woman, who wore a conspicuous ponytail, fascinated Picasso mainly because she resembled the film actress Brigitte Bardot. Tobias Jellinek designed unusual chairs consisting of “iron frames connected to each other by cords. They were so unpractical that Picasso was enthralled,” remembered Picasso’s then-partner, Françoise Gilot. Picasso has captured one of them in this picture. Picasso executed most portraits of the Sylvette series en grisaille, a painting technique using exclusively shades of grey and to which he had also referred for such monochrome anti-war paintings as Guernica.



Künstler:in (Málaga 1881 - 1973 Mougins)
Date1. Mai 1954
Object TypeGemälde
Object typePainting
Materials / TechniquesÖl auf Leinwand
Dimensions81 × 65 cm
Rahmenaußenmaß 109,5 × 93,7 × 6 cm
CreditALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner
Object numberGE102DL
SignedBez. l. o. "Picasso", verso "1er 5.54"
Text

Die hübsche junge Frau mit Pferdeschwanz, die Picasso laut eigenhändiger Bezeichnung am 1. Mai 1954 in Vallauris porträtierte, hieß Sylvette David und arbeitete unweit von Picassos Haus La Galloise in einer Töpferei. Was Picasso an diesem Modell fasziniert haben muss, war wohl nicht zuletzt die Tatsache, dass die junge Frau der Filmschauspielerin Brigitte Bardot glich. Da der Künstler damals dauernd im Streit mit seiner Lebensgefährtin Françoise Gilot lag, hatte er die junge Frau im Frühjahr 1953 gebeten, ihm an deren Stelle gelegentlich Modell zu stehen. Sylvette David war damals mit einem Engländer verlobt, der höchst ausgefallene Stühle entwarf. «Diese Stühle bestanden aus eisernen Rahmen, die mit Schnüren verbunden wurden, und sie waren so unpraktisch, dass Pablo davon hell begeistert war», erinnerte sich Françoise Gilot später.1  Ein solcher Stuhl ist übrigens auch auf dem vorliegenden Porträt angedeutet. Offensichtlich wollte Picasso mit den zahlreichen Bildnissen, die er von Sylvette David schuf, Françoise Gilot eifersüchtig machen. Doch nachdem ihm klar geworden war, dass seine Provokationen ohne Wirkung blieben, drehte er den Spieß um und warf seiner Lebensgefährtin Gleichgültigkeit vor: «Du müsstest dich weigern, ein anderes Gesicht auf meinen Bildern zu dulden ... », soll er verärgert zu ihr gesagt haben.2 Diese seltsame Bemerkung zeigt drastisch, wie Picasso mit Frauen umzuspringen pflegte. Alle Frauen, die ihn eine Zeit lang als Geliebte oder Ehefrau durch das Leben begleitet haben, waren für ihn nicht nur ein Objekt der Begierde; sie hatten immer auch die mitunter sehr beschwerliche und unangenehme Aufgabe wahrzunehmen, ihm Modell zu stehen - oft sogar Tag für Tag. Eine Frau zu erobern und zu besitzen bedeutete für Picasso immer auch, sie Bild werden zu lassen. Das vorliegende Porträt ist eines der letzten innerhalb einer langen Reihe, die Picasso 1953-1954 von Sylvette David gemalt hat. Sein Interesse an der attraktiven jungen Frau sei bald erlöscht, als ihm klar wurde, dass er mit den Bildnissen bei Françoise Gilot die erwünschte Wirkung nicht erzielen konnte, berichtet diese.3

I Françoise Gilot/Carlton Lake. Leben mit Picasso, Zürich 1980, S. 298.
2 A. a. O. (wie Anm. 1).
3 A.a.O. (wie Anm. 1).


zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 320, Nr. 173.

Catalogue raisonné
  • Koella/Billeter 2005, 173
  • Z. XVI, 293
  • Bibliography
  • Christian Zervos, Pablo Picasso, Band XVI, Paris 1965, Nr. 293
  • The Picasso Project: Picasso's Paintings, Watercolors, Drawings and Sculpture, 1950-55, San Francisco 2000, Nr. 54-192
  • R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 320, Nr. 173, Abb. S. 321
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Monet bis Picasso. Die Sammlung Batliner, Albertina, Wien 2007/2008, S. 349, Kat. 231
  • AK Das Porträt im Wandel der Zeit, Kunsthalle Krems, 2009, Abb.S. 51
  • AK Picasso. Peace and Freedom, Tate Liverpool/Albertina, Wien/Louisana Museum of Modern Art, Humlebaek, 2010/2011, Abb.S. 222, Kat. 133
  • Ausstellungen (laut Koella/Billeter): De Picasso à Picasso, Galerie Alex Maguy, Paris 1973, o.Nr.
  • Das Auge des Sammlers - Monet bis Picasso, Bank Austria Kunstforum Wien, 1998, S. 216-217, Kat. 94
  • Monet bis Picasso. Die Sammlung Batliner, Albertina, Wien 2007/2008, S. 349, Kat. 231
  • Das Porträt im Wandel der Zeit, Kunsthalle Krems, 2009, Abb. S. 51
  • Picasso. Peace and Freedom, Tate Liverpool/Albertina, Wien/Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, 2010/2011, Abb. S. 222, Kat. 133
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