Akt in einem Sessel sitzend
Pablo Picasso
1963
Frauen spielen bei Picasso eine zentrale Rolle. Ganze Perioden seiner Kunst können mit den jeweiligen Lebensgefährtinnen identifiziert werden. Die Darstellung zeigt Jacqueline Roque, die er 1952 kennenlernt und 1961 heiratet. Die um 45 Jahre jüngeren Jacqueline wird die wichtigste Muse seiner letzten zwanzig Jahre: Symbolfigur der Weiblichkeit, der Schönheit und des männlichen Verlangens. Picassos Jacqueline-Darstellungen künden von der ewig jungen Inspiration des Malers durch sein Modell, die in einer kraftvollen, ungestümen Malweise ihre Entsprechung findet.
Women play a central role in Picasso’s art. Entire periods can be identified with his respective loves. This picture shows Jacqueline Roque, whom he met in 1952 and married in 1961. 45 years his junior, she became the artist’s most important muse during his last twenty years: a symbolic figure of femininity, beauty, and male desire. Picasso’s pictures of Jacqueline exhibit the painter’s ever-fresh inspiration by his model, which is reflected by his vigorous and boisterous brushwork.
Rahmenaußenmaß: 129 x 93,5 cm
Als Picasso 1961 im Alter von achtzig Jahren zum dritten Mal heiratete und mit der jungen Jacqueline ein neues Haus, die Villa Notre-Dame-de-Vie in Mougins oberhalb von Cannes, bezog, setzte in seinem Lebenswerk nochmals ein ganz neues Kapitel ein. Als habe diese Beziehung ungeahnte Kräfte in ihm geweckt, nahm sein Malstil nun eine so ungestüme und ungeschönte Direktheit an, dass viele Zeitgenossen schockiert vom Verlust seiner Schöpferkraft sprachen. Wie weit beim späten Picasso die schöpferische Freiheit gehen konnte, belegt auch der vorliegende sitzende Akt, der mehr wie ein spontan hingeworfener Bildentwurf als wie ein fertiges Bild wirkt. Dass dieses Werk in der Tat sehr schnell gemalt worden sein muss, beweist die Bezeichnung auf der Rückseite. Die römische Zahl III, die Picasso auf das Datum folgen ließ, zeigt an, dass er am 23. April 1963 gleich drei große Aktbilder gemalt hat, von denen das vorliegende das dritte und letzte darstellt. Obschon Gesicht und Körper kaum auf eine bestimmte Person schließen lassen, ist anzunehmen, dass ihm für alle drei Aktbilder Jacqueline Modell saß. Das erste Bild gibt die junge Frau stehend wieder (Stehender weiblicher Akt, 1963, Privatbesitz) während sie auf der zweiten und dritten Fassung auf einem hölzernen Stuhl sitzt (Weiblicher Akt in einem Sessel sitzend, 1963, Privatbesitz).1 Die Farbgebung ist dagegen überall ähnlich: Herrscht im Bildhintergrund unten Gelb und oben Grau vor, so ist der Körper der Frau vorwiegend in hellroten und zartgrünen Tönen gehalten. Aufgetragen sind diese Farben mit so grobem Pinsel, dass fast jeder Strich auf der nackten Leinwand sichtbar ist.
1 Vgl. Christian Zervos, Pablo Picasso, Band XXIll, Paris 1971, Nrn. 215, 216.
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