Peter Paul Rubens, Don Diego Messía (Mexía) Felipe de Guzmán, Marquis von Leganés, Inv. Nr.: 82…
Don Diego Messía (Mexía) Felipe de Guzmán, Marquis von Leganés
Peter Paul Rubens, Don Diego Messía (Mexía) Felipe de Guzmán, Marquis von Leganés, Inv. Nr.: 8258
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Don Diego Messía (Mexía) Felipe de Guzmán, Marquis von Leganés

Peter Paul Rubens

September - Dezember 1627




Künstler:in (Siegen 1577 - 1640 Antwerpen)
DateSeptember - Dezember 1627
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide und Rötel sowie Spuren weißer Kreide
Dimensions38,5 x 27,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number8258
Inscribedu. "Marquis de la genesse" (von fremder Hand); l.o. "P P Rubbens"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die Bezeichnung in Rötel am linken unteren Blattrand dieser Porträtzeichnung identifiziert den Dargestellten als Diego Messía (Mexía) Felipe de Guzmán (1580?–1655), den Ersten Marquis von Leganés. Messía war vom spanischen König Philipp IV. an den Hof von Erzherzogin Isabella entsandt worden. Im Juni 1622 wurde er zum Kriegsrat und 1625 zum Generalfeldmarschall des spanischen Königs ernannt (Leganés führte die spanische Artillerie und Kavallerie in den südlichen Niederlanden an).(1) 1627 erhob man ihn in den Stand eines Marquis von Leganés; zu dieser Zeit nahm er auch den Beinamen von Spaniens allmächtigem Herzog von Olivares, Gaspar de Guzmán y Pimental, an. Rubens erwähnte Leganés erstmals in einem Brief, den er am 15. März 1625 aus Paris an die Infantin Isabella schrieb.(2) 1628, also drei Jahre später, schrieb der Künstler an Pierre Dupuy (1582–1651), einen königlichen Bibliothekar in Paris, mit dem Rubens regelmäßig korrespondierte, dass er Leganés zu den größten Kunstkennern der Welt zähle.(3)

 

Über einem feinen Liniennetz hat Rubens zunächst den Umriss des Kopfes skizziert und dann Details herausgearbeitet. Der das Gesicht umrahmende Rüschenkragen ist nur angedeutet. Trotz des methodischen Vorgehens zeugt das Bildnis von Lebendigkeit und individueller Ausstrahlung. Die Wiener Zeichnung diente als Vorstudie für das Dreiviertelporträt des Marquis, das sich heute in einer deutschen Privatsammlung befindet […].(4) Rubens hat sich genauestens an seine Vorlage gehalten, nicht nur, was die Haltung des Kopfes betrifft; auch den Blick, den Rüschenkragen und selbst das gelockte Haar hat er schon auf der Zeichnung vorweggenommen.

 

Die Begegnung zwischen Rubens und dem Marquis von Leganés fand höchstwahrscheinlich statt, als sich Letzterer zwischen dem 9. September 1627 und dem 3. Januar 1628 in Brüssel aufhielt.(5) Er war als Sonderbeauftragter des spanischen Königs angereist, um Erzherzogin Isabella davon in Kenntnis zu setzen, dass Philipp IV. gerade einen Vertrag zwischen Spanien und Frankreich gegen England unterzeichnet hatte, was Rubens’ große Hoffnungen auf Frieden zwischen Spanien und England zunichtemachte.(6) Aufgrund der neuen politischen Lage unternahm der Künstler wiederholt Reisen nach Brüssel, um bei Hofe während Leganés’ Aufenthalt bei den Verhandlungen zu vermitteln. Da Don Diego Messía 1627 zum Ersten Marquis von Leganés ernannt wurde, dürfte er Rubens als Erinnerung an dieses ehrenvolle Ereignis mit der Ausführung seines Porträts beauftragt haben; ungefähr zur selben Zeit heiratete er auch die Tochter Ambrogio Spinolas, dem Sieger der Schlacht von Breda. Die von Michael Jaffé vorgeschlagene Datierung des Gemäldes zwischen September und Oktober 1627 (7) gilt aller Wahrscheinlichkeit nach auch für die Zeichnung, doch könnte man den Zeitraum bis auf Dezember und damit auf die gesamte Dauer der Brüsseler Verhandlungen, an denen ja auch Rubens teilgenommen hat, ausdehnen.

 

Laut Francisco Pacheco (1564–1644), dem Schwiegervater von Velázquez, war Don Diego ein großer Bewunderer Rubens’ (»grande aficionado suyo«), von dem auch einer der wenigen Aufträge an den Künstler aus Spanien ausging, der kein Porträt zum Inhalt hatte, sondern eine Unbefleckte Empfängnis, heute im Prado in Madrid.(8) Als Messía 1655 starb, waren in seinem Inventarverzeichnis 1.333 Gemälde angeführt, darunter zahlreiche Werke flämischer Künstler und zumindest dreißig von Rubens.(9)

 

(Der Text wurde gegenüber dem Katalog 2004 gekürzt. Die entsprechenden Auslassungen sind durch [... ] anzeigt.)


 Peter Paul Rubens, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder und Heinz Widauer, 2004, Abb. 89, S. 368-390.


(1) Rubens erwähnte diese Ernennung in seinem Brief vom 12. Dezember 1625. Magurn 1955, S. 120, Brief 71. Siehe auch Vergara 1999, S. 93/94.

(2) Magurn 1955, S. 107, Brief 61.

(3) 27. Januar 1628. Magurn 1955, S. 234, Brief 145. Laut Rubens hatte sich Spinola den Medici-Zyklus nicht angesehen, weil er »keinen Sinn für Malerei« hatte, im Gegensatz zu seinem Schwiegersohn Leganés, der ihn sehr wohl gesehen hat.

(4) Öl auf Leinwand, 117 x 89 cm. Vlieghe 1987, Nr. 115, Abb. 135, 136; Jaffé 1989, Nr. 891, September–Oktober 1627; Hans Vlieghe in: Münster 2003, S. 66, Nr. 35, mit Farbabb.

(5) Hans Vlieghe (Lille 2004, Nr. 85) behauptet, dass Leganés sich bis März 1628 am Hof in Brüssel aufgehalten hat. In einem Brief vom 23. März 1628 an Dupuy in Paris schreibt Rubens jedoch, dass die Vermählung Leganés’ mit Polyxena Spinola am 28. Februar 1628 in Madrid stattgefunden hat (Magurn 1955, S. 247, Brief 155).

(6) Magurn 1955, S. 202, Brief 125 vom 18. September 1627 an Balthasar Gerbier.

(7) Siehe Anmerkung 4. Vlieghe datiert Rubens’ Porträt in die frühen 1630er Jahre, als Leganés in Brüssel lebte. Es befand sich jedoch nicht unter den im Inventarverzeichnis Leganés’ aufgelisteten Rubens-Gemälden.

(8) Jaffé 1989, Nr. 945, 1628/29. Der Marquis muss das Bild unmittelbar danach Philipp IV. überreicht haben, da es nicht in Leganés’ Inventarverzeichnis von 1630 aufscheint, sondern im königlichen Inventarverzeichnis von 1636 als ein Geschenk Leganés’. Das Gemälde hing im Andachtsraum des Königs im Erdgeschoß der Sommergemächer (Pacheco [1638] 1956, Bd. 1, S. 153/54). In späteren Jahren übermalte Velázquez zum Teil den bogenförmigen Abschluss. Díaz Padrón 1995, II, S. 860–863, Nr. 1627, mit Farbabb.

(9) Zusammengefasst in: Rooses 1900b, S. 168–171. Siehe López Navío 1962, S. 289/90, und Volk 1980, S. 256–268.

 

Rubens’ Porträtzeichnung eines bärtigen Mannes macht uns mit Diego Messía (Mexía) Felipe de Guzmán (1580?–1655), Marquis von Leganés und seit 1625 Generalfeldmarschall des spanischen Königs, bekannt. Eine Begegnung zwischen Rubens und Don Diego Messía fand höchstwahrscheinlich zwischen dem 9. September 1627 und dem 3. Januar 1628 in Brüssel statt, kurz nachdem Messía zum Ersten Marquis von Leganés ernannt worden war. In Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis dürfte er Rubens mit der Ausführung eines repräsentativen Dreiviertelporträts beauftragt haben (Privatbesitz; Abb. AK Albertina 2004 a, S. 368), zu dem die Zeichnung als Vorstudie diente. Don Diego war ein großer Bewunderer des großen Flamen (»grande aficionado suyo«) und 1655 fanden sich im Nachlass Messías nicht weniger als dreißig von Rubens’ Gemälden.

Der Künstler hat zunächst den Umriss des Kopfes und des hohen Rüschenkragens skizziert. Die in Kreiden erfolgte Herausarbeitung von Details konzentrierte sich ganz auf die Physiognomie des groß ins Format gesetzten Antlitzes. Wir blicken in ein ernstes, fast ein wenig müdes Gesicht, das durch die mächtige Halskrause in eine kaum merkliche Untersicht gezwungen wird. Rubens nutzte damit einen alten Kunstgriff, der jedem Bildnis zusätzliche Lebendigkeit verleiht und in diesem Fall auch das Machtbewusstsein des Dargestellten zur Anschauung bringt; der leichte Anflug von Überheblichkeit scheint in der gemalten Fassung etwas gemildert. Individuelle Details wie das ein wenig nachlässig frisierte Haar verleihen dem Bildnis, bei aller dem Dekorum geschuldeten Strenge, dann doch eine gewisse Zwanglosigkeit. Sie beweisen die Meisterschaft des Porträtisten Rubens, überpersönliche Ferne in eine persönliche Nähe zu transponieren.

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 105, S. 218.


Catalogue raisonné
  • Rooses 1886–1892, Nr. 1510
  • Glück/Haberditzl 1928, Nr. 164 (um 1627)
  • AK Albertina 1977, Nr. 44, Abb.
  • Bibliography
  • Rooses o. J., Abb. S. 420
  • Knackfuß 1897, Abb. 78
  • Michel 1900, Taf. nach S. 388
  • Muchall-Viebrook 1926, Abb. S. 417
  • Glück 1940, S. 174
  • Delen 1944, Nr. 14
  • Held 1959, S. 77 und unter Nr. 106
  • AK Elewijt 1962, Nr. 42
  • Baudouin 1972b, Pl. 30
  • Kuznetsov 1974, Nr. 107 (um 1627), AK New York 1977, Nr. 38, Abb.
  • Held 1986, S. 58 und unter Nr. 162
  • Vlieghe 1987, Nr. 115
  • AK Albertina/Amsterdam 1989/1990, Nr. 87
  • Albertina, Rubens bis Rembrandt, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb. 33
  • AK Peter Paul Rubens, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien 2004, Nr. 89 (A.-M. Logan)
  • AK Wuppertal 2012/2013, Abb. S. 199
  • AK Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Nr. 105.
  • Provenance
  • Kaiserliche Hofbibliothek Wien
  • 1796 durch Tausch erworben von Herzog Albert von Sachsen-Teschen (L. 174)
  • Online resources
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    Last edited28.07.2026