Egon Schiele, Der Cellospieler, Inv. Nr.: 31178
Der Cellospieler
Egon Schiele, Der Cellospieler, Inv. Nr.: 31178
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Der Cellospieler

Egon Schiele

1910




Das Bildnis des so genannten Cello-Spielers thematisiert die Anwesenheit des Abwesenden: Sitzmotiv und Gestik geben zwar deutlich Auskunft über ein das Bildmotiv bestimmendes Cello, doch hat Schiele das Instrument im Aquarell einfach weggelassen hat. Der gesamte Körper des Cellisten ist vom Hemd über das Sakko bis zur Hose zu einem einzigen Farbblock verschmolzen. Er reicht vom kalten Blau der Brust bis zum heißen Rot des Unterkörpers. Die Haltung der knochigen Finger zwingt uns, ihnen die nicht sichtbaren Utensilien des Musikers zuzuordnen: Den Cello-Bogen bzw. den Saitensteg jenes Instrumentes, das zwischen den gespreizten Beinen als anwesend-abwesendes Ding gehalten wird: eine zutiefst inszenierte Komposition.



Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1910
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, Aquarell, auf Packpapier
Dimensions44,7 x 31,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number31178
Signedr.u. "S.10."
Text

Das Porträt des sogenannten Cellospielers ist ein instruktives Beispiel für die den Betrachter verunsichernde Anwesenheit des Abwesenden. Der einheitliche Farbblock aus Hose, Rock und Hemd ist die in einem warmen Rot über Grün ins kalte Blau fließende Folie für ein Instrument, dessen Existenz wir nur durch die Haltung der Hände - mit  dem Bogen in der rechten Hand und dem Griff am Steg des Instruments - und durch die gespreizten Beine, die das Cello fixieren, empfinden können. Der Blick des Musikers - der Künstler hat ihn noch in einer zweiten, nicht kolorierten Porträtzeichnung verewigt - gilt  dem Notenblatt vor ihm: daher rührt seine Konzentration. Dieses verinnerlichte Musikerbildnis der Albertina zählt zu den schönsten frühen Porträtzeichnungen Schieles. Bezeichnend, dass sich Schiele entgegen den auch im Wien der Jahrhundertwende kodifizierten Gattungsgesetzen des Porträts auf keinen konventionellen Porträt-Typus festlegt. Selbst #Kokoschkas Porträts weisen eine viel geringere Mannigfaltigkeit auf als die Egon Schieles.

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 80-82.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 604
  • Bibliography
  • AK Albertina 1948, Nr. 43
  • AK Albertina 1959 a, Nr. 41
  • AK London 1971, Nr. 243
  • AK Bregenz 1971, Nr. 151
  • AK Albertina 1990, Nr. 26, Abb.
  • AK Washington u.a. 1994, Tafel 82
  • AK Mailand 2000, S. 56, Abb.
  • AK Albertina 2003/04 a, Nr. 93, Abb.
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 28
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 72
  • Klaus Albrecht Schröder, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 40-41 (in spanischer Sprache)
  • Provenance
  • seit mindestens 1919 Sammlung Benesch, Wien
  • 1951 erworben aus dem Nachlass Heinrich Benesch (1862-1947), Wien

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/3025/der-cellospielerImage Request
    Last edited18.12.2024

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