Studienblatt mit Tigern
Eugène Delacroix
um 1825-1828
Tierdarstellungen gehören zu Delacroix´ bevorzugten Themen, wobei neben Pferden vor allem Raubkatzen eine besondere Faszination auf ihn ausgeübt haben. Er studierte sie sowohl nach Tierpräparaten im Naturhistorischen Museum als auch - häufig gemeinsam mit #Antoine Louis Barye - im zoologischen Garten des Jardin des Plantes oder der Menagerie in Saint-Cloud. Intensive anatomische Studien ermöglichte ihm seine Bekanntschaft mit dem renommierten Wissenschaftler und Professor für vergleichende Anatomie #Georges Cuvier, in dessen Salon er seit 1824 verkehrte.
Das Skizzenblatt der Albertina zeigt Raubkatzen in verschiedenen Körperstellungen musterbuchartig über- und nebeneinander angeordnet. Mit einfachen, sicheren Pinselstrichen hält Delacroix die Konturlinien der Tiere fest: eingerollt schlafend, liegend, auf dem Rücken ausgestreckt mit erhobenen Vorderpfoten oder nur in Halbfigur. Wenige zügige Striche und ein Minimum an Farbe genügen, um die Struktur des Felles und die kräftige Muskulatur kongenial zum Ausdruck zu bringen. Die Studie der Albertina weist stilistisch und motivisch enge Verwandtschaft zu einem Skizzenblatt des Louvre auf (Sérullaz, I, Nr. 1054, 1054v, siehe dazu auch Nr. 1052, 1053), wo sich vor allem das auf dem Rücken liegende Tiger mit empor gestreckten Pfoten identisch wiederfindet. Maurice Sérullaz hält diese Zeichnung um 1828 entstanden, etwa zeitgleich mit der Lithographie "Mephisto stellt sich bei Frau Marthe vor" (Delteil, Nr. 66), die zu den 1828 publizierten Faust-Illustrationen gehört und sehr ähnliche Darstellungen von Tigern und Löwen in den Randleisten aufweist.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 194, Nr. 85.
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