Eugène Delacroix, Das Meer bei Dieppe, Inv. Nr.: 24099
Das Meer bei Dieppe
Eugène Delacroix, Das Meer bei Dieppe, Inv. Nr.: 24099
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Das Meer bei Dieppe

Eugène Delacroix

1854 (?)




Künstler:in (Charenton 1798 - 1863 Paris)
Date1854 (?)
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesAquarell über zarter Bleistiftskizze
Dimensions22,8 x 35,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number24099
InscribedEigenhändig bezeichnet rechts unten mit Bleistift: "sur la pointe des vagues verticalement sous le soleil, paillettes / lumineuses dans un espace très / circonscrit"
Markingsr.u. Nachlassstempel Eugène Delacroix (Lugt 838)
Text

Delacroix, Haupt der romantischen Schule in Frankreich und Gegenpol der rational-klassischen Richtung #Ingres', vertrat eine optisch-sinnliche Kunstauffassung, die dem freien Kolorismus eines #Rubens gegenüber einer strengen reinen Linienkunst den Vorzug gab. Die Bekanntschaft mit dem englischen Aquarellmaler #Thales Fielding führte bei Delacroix zu einem verstärkten Interesse für die Aquarelltechnik, die - im Unterschied zu Frankreich - in England seit dem 18. Jahrhundert von #Gainsborough bis zu #Turner und #Bonington eine große Tradition hatte. Intensiviert wurde Delacroix' Beschäftigung mit diesem Medium noch durch seine Reise nach England 1825, wo er auch mit Bonington gemeinsam gearbeitet hat.
Delacroix beschäftigt in dem vorliegenden Aquarell die bildhafte Umsetzung von Naturerscheinungen wie die Spiegelung des Abendhimmels auf den Wellen und ihre oszillierenden Lichtreflexe. Die optischen Reize, die aus der Bewegung des Wassers und der Luftspiegelung resultieren, bringt er durch nuancierten Farbauftrag und Miteinbeziehung des hellen Grundes wirkungsvoll zur Geltung. Darüber hinaus beschreibt er seine Wahrnehmung zusätzlich mit den anschaulichen Worten: "sur la pointe des vagues verticalement sous le soleil, paillettes lumineuses dans un espace très circonscrit" ("auf dem Kamm der Wellen senkrecht unter der Sonne, leuchtender Flitter in sehr begrenztem Raum"). Das Blatt gehört zu einer Reihe von Darstellungen, in denen Delacroix von einem ganz ähnlichen Blickpunkt aus Meer und Himmel festhält, um die Wechselwirkung von Wasser und Licht, das Zustandekommen von Reflexen und ihr äußeres Erscheinungsbild als Phänomen zu studieren. Diese Naturstudien, von denen sich ein kleines Ölbild im Louvre (https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010066848§) und drei Aquarelle in Privatbesitz befinden (AK Paris/Philadelphia 1998/99, Nr. 53, 54, 56, 57), geben das Meer bei Dieppe wieder, wo sich Delacroix zwischen 1851 und 1860 des Öfteren aufgehalten hat. Das Aquarell der Albertina sowie die drei Blätter aus Privatbesitz zeigen offensichtlich das gleiche Motiv, sind auch in Technik und Stil nahe verwandt und stammen sehr wahrscheinlich von Delacroix' drittem Besuch in diesem Küstenort vom 17. August bis 26. September 1854. Diese Erkenntnis resultiert aus der engen Verbindung zu dem August/September 1854 datierten Skizzenbuch mit Ansichten aus Dieppe im Amsterdamer Rijksprentenkabinet (Carnet de Dieppe, Inv. RP/T/1968/85). Eine darin enthaltene Bleistiftskizze (Bl. 24 verso und 25 recto) dürfte der Albertina-Zeichnung als Anregung vorangegangen sein und kann als wichtigstes Indiz für die Lokalisierung und Datierung in die Zeit dieses Aufenthaltes angesehen werden.
Die Zeichnung zeigt Meer und Wellen aus nahezu gleichem Blickwinkel, ergänzt um etliche handschriftliche Farbanmerkungen Delacroix', die der Farbpalette des Aquarells annähernd entsprechen.

Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 182.

 


Catalogue raisonné
  • Ekelhart 2007, 105
  • Bibliography
  • Versteigerungskatalog Delacroix, Hôtel Drouot, Paris, 22.-27.2.1864, vermutlich unter Nr. 600 "Etudes faites dans le port de Dieppe et dans les environs: vagues, soleils couchants etc. (1852, 1854 et 1855) 20 aquarelles"
  • AK Bremen 1964, Nr. 306
  • AK Frankfurt 1987/88, Abb. J 5a, unter J 6
  • AK Paris/Philadelphia 1998/99, Nr. 55
  • AK Albertina 2005, Nr. 30
  • Schröder 2008, Nr. 182 (C. Ekelhart)
  • Albertina, Meisterzeichnungen: C.D. Friedrich bis Cézanne, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.61
  • Provenance
  • Nachlassversteigerung Eugène Delacroix 1864
  • 1924 erworben
  • Online resources
    zum verwandten Werk

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    Last edited27.09.2021