Studie des Dogen Francesco Foscari
Eugène Delacroix
um 1847
Die Federzeichnung ist eine Detailstudie für das Gemälde "Die beiden Foscari" (Chantilly, Musée Condé; Johnson, III, Nr. 317, IV, Taf. 137), das 1847 begonnen und zunächst bis zur Grisaille-Unterzeichnung fertiggestellt wurde. Erst im Mai 1854 arbeitete Delacroix an diesem Bild wieder weiter und vollendete es schließlich im Februar 1855. Es basiert auf der 1821 veröffentlichten historischen Tragödie "The Two Foscaris" von #Lord Byron. Für die Wahl des Themas war vermutlich auch der große Publikumserfolg von #Verdis gleichnamiger Oper nicht ohne Einfluss, die 1846 im Théâtre-Italien in Paris aufgeführt wurde.
Die Zeichnung skizziert mit wenigen zügigen Strichen den alten Dogen Francesco Foscari in strenger Profilansicht nach rechts gerichtet und das Kinn in die linke Hand gestützt. In annähernd gleicher Haltung, aber dem Betrachter zugewandt, findet er sich in einem szenischen Gesamtentwurf der Sammlung W. O´Reilly, New York (Johnson, III, unter Nr. 317, Abb. 34). Das Gemälde zeigt ihn ebenfalls schräg von vorne, in völliger Resignation kraftlos in sich zusammengesunken und nicht mit abgestütztem, sondern gesenktem Kopf. Sowohl die Studie der Albertina als auch die Zeichnung in New York geben ihn bereits wie dann auch in der endgültigen Ausführung mit einer Körperwendung nach rechts wieder. Die erste Idee zu diesem Sujet stellt vermutlich die seitenverkehrte Skizze des Louvre dar. Die Gruppe mit dem gefolterten Jacopo Foscari, dem Sohn des Dogen, den ihn stützenden Männern und seiner Gattin Marina ist auf der linken Bildseite, der Doge, gequält von seiner Staatspflicht und der Liebe zu seinem wegen Hochverrats verurteilten Sohn, auf der rechten in frontaler Position wiedergegeben. Dieselbe Aufteilung behielt Delacroix noch in zwei weiteren Studien des Fitzwilliam Museums in Cambridge (AK London 1964, Nr. 82, 83) bei, bevor er sich dann zur Umkehr der Komposition entschloss. Die Skizze der Albertina unterscheidet sich von den anderen mit Bleistift ausgeführten Studien vor allem durch ihre starke Expressivität, die durch die Verwendung der Rohrfeder zustande kommt. Für Delacroix, der sich auch theoretisch viel mit der künstlerischen Ausdruckskraft der Linie beschäftigt hat, besteht "Schönheit nicht aus reinen Linien"; erst das Zusammenspiel von "abgebrochenen, heftigen, fast roh aussehenden Strichen" sei von Bedeutung, weil damit das Auge gezwungen werde, sie "als Ganzes einer körperlichen, einer plastischen Form zu deuten, die dazwischen liegt" (Zit. in: Badt 1951, S. 23 ff.).
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 210, Nr. 92.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/33911/studie-des-dogen-francesco-foscariImage Request